DAG Münster Deutsch-Amerikanische
Gesellschaft Münster e.V.

Wussten Sie schon Did you know

Wussten Sie schon …

Achtundvierzig Fragen zur Geschichte der USA und zu den deutschen Spuren darin. Jede lässt sich aufklappen, die Antwort steht darunter.

Die Fragen

… dass das berühmte Woodstock-Festival 1969 nicht in Woodstock stattfand?
Der Sänger von The Who am Mikrofon, in einer Fransenjacke
Ein Plattencover zum Auftritt von The Who in Woodstock
Jimi Hendrix
Ein Paar in eine Decke gehüllt, dahinter Hunderte Schlafende auf dem Hang
Besucher auf dem Gelände in Bethel
Eine dichte Menge im Dämmerlicht, der Boden aufgeweicht
Regen über dem Festivalgelände
Mehrere Menschen schieben ein Auto aus dem Straßengraben, dahinter Zelte auf der Wiese
Das Weideland in Bethel während des Festivals

Woodstock in den Catskills liegt rund 160 Kilometer nördlich von New York City und war seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine Künstlerkolonie. Bob Dylan wohnte dort, auch andere Musiker hatten sich in der Gegend niedergelassen. Die Veranstalter Michael Lang, Artie Kornfeld, John Roberts und Joel Rosenman wollten in Woodstock ein Aufnahmestudio bauen und zu dessen Eröffnung ein Rockfestival und einen Kunstbasar veranstalten. Das Studio wurde nie verwirklicht, der Kunstbasar vergessen. Weil weder Woodstock noch das benachbarte Wallkill eine Genehmigung erteilten, fand das Woodstock Music and Art Fair vom 15. bis 18. August 1969 auf der Milchviehweide von Max Yasgur in Bethel statt, rund 90 Kilometer südwestlich von Woodstock. Den Namen behielten die Veranstalter seines Klanges wegen bei.

32 Acts mit insgesamt 163 Musikern traten auf, unter ihnen Jimi Hendrix, Janis Joplin und Santana. Bob Dylan, der bekannteste Bewohner Woodstocks, spielte nicht mit. Gerechnet hatten die Veranstalter mit 50.000 Besuchern, gekommen sind nach den gängigen Schätzungen 400.000 bis 500.000. Sie verursachten ein unvorstellbares Chaos. Straßen waren verstopft, selbst Musiker kamen verspätet oder gar nicht ans Ziel. Eintrittskarten konnten nicht überprüft werden, der Eintritt galt daher als frei. Heftige Regenfälle verwandelten das Weideland von Bethel in einen großen Acker aus feuchtem Lehm.

Zwei Menschen kamen ums Leben, ein Siebzehnjähriger, den ein Traktor im Schlafsack überrollte, und ein Achtzehnjähriger, dessen Todesursache bis heute umstritten ist. Angeblich wurde auf dem Gelände auch ein Kind geboren. Menschen, die sich nie zuvor gesehen hatten, teilten Essen, Alkohol, Drogen und Partner miteinander. Schon kurz nach dem Festival wurde Woodstock durch das Buch „Woodstock Nation“ von Abbie Hoffman und durch den preisgekrönten Dokumentarfilm „Woodstock“ zur amerikanischen Legende; Regie führte Michael Wadleigh, Martin Scorsese wirkte als Regieassistent und als einer der Cutter mit. Eine Fülle von Geschichten und Anekdoten rankt sich um dieses Wochenende und hat sich in das Gedächtnis einer amerikanischen Generation eingegraben. Woodstock war ein großartiges Musikereignis und markiert im Rückblick den Höhepunkt der amerikanischen Hippie- und Gegenkultur der 1960er Jahre.

… wer als Erfinder des Carports gilt?
Der Architekt Frank Lloyd Wright
Fallingwater, eines seiner berühmtesten Häuser
Das Guggenheim Museum in New York
Eines seiner Prairie-Häuser in Buffalo

Frank Lloyd Wright (1867 bis 1959), einer der populärsten und erfolgreichsten Architekten der USA, hat neben seinen spektakulären Bauwerken eine Fülle architektonischer Innovationen eingeführt. Als deren bekannteste gilt der überdachte Autostellplatz, der Carport, den er ab 1936 in seinen Usonian Houses zum Standard machte; als erstes Beispiel gilt das Haus von Herbert Jacobs in Madison, Wisconsin.

Aufträge großer Unternehmen hat Wright durchaus erhalten, darunter das Verwaltungsgebäude der Larkin Company in Buffalo und das Verwaltungsgebäude samt Forschungsturm für S. C. Johnson in Racine. Von staatlicher Seite blieben Aufträge dagegen fast völlig aus. Erst mit dem Marin County Civic Center in Kalifornien, seinem letzten Auftrag, baute er für eine Gebietskörperschaft; das dortige runde Postamt ist sein einziger Auftrag für eine Einrichtung der Bundesregierung. In Washington ist von ihm nichts zu sehen. An der rund drei Kilometer langen National Mall zwischen Kapitol und Lincoln Memorial mit ihren zahlreichen Museumsbauten steht kein einziges Gebäude von ihm, obwohl er sich wie kein anderer darum bemüht hatte, einen eigenen amerikanischen Baustil zu entwickeln. Sein Washingtoner Projekt Crystal Heights scheiterte 1939/40 an den Planungsbehörden.

… dass Frauen von 1776 bis 1807 in einem US-Staat das Wahlrecht hatten?
Das Staatssiegel von New Jersey

Die am 2. Juli 1776 angenommene erste Verfassung von New Jersey erkannte das Wahlrecht für Frauen und Schwarze an, sofern bestimmte Besitzverhältnisse gegeben waren. Wählen durften alle erwachsenen Einwohner der Kolonie, sofern sie „worth fifty pounds proclamation money“ waren. Das bedeutete, dass alle unverheirateten und verwitweten Frauen und auch Schwarze das Wahlrecht hatten, sofern das geforderte Vermögen vorhanden war. Verheiratete Frauen hatten hingegen kein Wahlrecht, da sie nach dem Common Law keinerlei Besitz haben konnten. Das Wahlgesetz von 1790 schrieb ausdrücklich „he or she“ fest, zunächst für sieben der dreizehn Countys, 1797 dann für den ganzen Staat. In nachfolgenden Wahlen beschuldigten sich die politischen Gegner gegenseitig, unberechtigte Frauen als „petticoat electors“ an den Abstimmungen beteiligt zu haben.

Am 16. November 1807 beschloss die gesetzgebende Versammlung von New Jersey ein Gesetz, das sich selbst als Klarstellung des wahren Sinns der Verfassung von 1776 bezeichnete. Wählen durfte danach nur noch, wer freier, weißer, männlicher Bürger des Staates, mindestens 21 Jahre alt und fünfzig Pfund Proclamation Money an schuldenfreiem Vermögen wert war. Die Vermögensschwelle blieb also bestehen. Frauen, freie Schwarze und Nichtbürger verloren mit diesem Gesetz das Wahlrecht. Auslöser war ein offen manipuliertes Referendum im Essex County; dahinter stand der Machtwechsel zu den Jeffersonian Republicans, denen die überwiegend föderalistisch stimmenden Frauen politisch im Weg standen. Endgültige Klarheit brachte die zweite New Jersey State Constitution von 1844.

… wie es zum Fahneneid, der Pledge of Allegiance, in den USA kam?
Ein Junge hält die Flagge, die anderen Kinder strecken den rechten Arm zu ihr hin
Der Fahneneid in einer amerikanischen Schule
Schülerinnen an ihren Pulten strecken den rechten Arm zur Flagge
Der Salut mit gestrecktem Arm, üblich bis 1942
Militärischer und offizieller Salut
Fahneneid in der Schule heute

Nachdem die USA um 1890 die Probleme des Bürgerkrieges und der Reconstruction überwunden hatten, kam es zu einer Rückbesinnung auf nationale Großtaten und auf nationale Helden, wobei jetzt Abraham Lincoln und Robert E. Lee nebeneinander genannt wurden. In dieser Stimmung waren die Feierlichkeiten zur 400. Wiederkehr der Entdeckung Amerikas, dem Kolumbustag am 12. Oktober 1892, über Jahre hinweg vorbereitet worden. Als Verfasser des Fahneneides gilt der Baptistenprediger Francis Bellamy, der für die Zeitschrift „The Youth's Companion“ arbeitete und in einem nationalen Vorbereitungskomitee für diese Feierlichkeiten mitwirkte. Veröffentlicht wurde der Eid zum ersten Mal am 8. September 1892 in dieser Zeitschrift. Einen Monat später sprachen ihn Millionen von Schulkindern im ganzen Land zum ersten Mal nach.

Dennoch brauchte es viele Jahre, bevor der Fahneneid über den Schulbereich hinaus bekannt wurde. Erst am 14. Juni 1923, dem Flaggentag, wurde er während der ersten Nationalen Flaggenkonferenz in Washington D.C. einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Bei dieser Gelegenheit wurden im Eid die Worte „to my Flag“ ersetzt durch „to the Flag of the United States“, um ein Jahr später zu „to the Flag of the United States of America“ erweitert zu werden. Die bisher letzte Veränderung geschah am 14. Juni 1954, wieder am Flaggentag, als Präsident Dwight D. Eisenhower den Zusatz „under God“ genehmigte. Der Eid lautet heute: „I pledge allegiance to the Flag of the United States of America, and to the Republic for which it stands, one Nation under God, indivisible, with liberty and justice for all.“

Von Anfang an gab es auch einen mit dem Fahneneid verbundenen Salut. 1892 wurde dazu der rechte Arm zur Fahne hin gestreckt erhoben; über die Haltung der Handfläche gehen die Überlieferungen auseinander. Kurze Zeit danach wurde die Zeremonie mit der rechten Hand über dem Herzen begonnen, worauf dann auf den Ruf „To the Flag“ der rechte Arm zur Fahne hin gestreckt erhoben wurde. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Ähnlichkeit dieses Saluts zum Hitlergruß als zu groß empfunden, so dass von da an während des gesamten Fahneneides die rechte Hand über dem Herzen blieb.

Der Fahneneid gewann mit dem Patriotismus des Weltkrieges an Popularität. Amtlich wurde er am 22. Juni 1942, als der Kongress ihn in das Gesetz über die Flagge der Vereinigten Staaten übernahm, damals Titel 36, heute Titel 4 des U.S. Code. Die Sitzungen des Kongresses werden mit diesem Fahneneid eröffnet, ebenso viele Veranstaltungen von Regierungsstellen auf regionaler und lokaler Ebene und auch viele private Veranstaltungen. Er wird ebenfalls in fast allen Schulen zu Beginn eines jeden Schultages gesprochen, obwohl der Oberste Gerichtshof mehrfach festgestellt hat, dass Schüler weder zu diesem Fahneneid verpflichtet noch für den Fall der Verweigerung bestraft werden können.

… dass der größte öffentliche Energieversorger der USA ein Non-Profit-Unternehmen des Bundes ist?
Präsident Roosevelt unterzeichnet das TVA-Gesetz 1933
Karte des Tennessee-Tals mit den Staudämmen der TVA, darunter der Wilson Dam
Das Versorgungsgebiet der TVA
Der Norris Damm der TVA im Bau, 1933 bis 1936
Der Douglas Damm im Bau
Arbeiter am Douglas Damm
Ronald Reagan in der Sendung General Electric Theater

Die Tennessee Valley Authority, kurz TVA, war eine der innovativsten Ideen des New Deal zur Überwindung der Depression der 1930er Jahre während der Präsidentschaft F. D. Roosevelts. Diese Einrichtung wurde schließlich viel bedeutender, als sie auf den ersten Blick erschien: die Lebensbedingungen im Tal des Tennessee Flusses zu verbessern, die selbst in Anbetracht der allgemeinen Depression besonders schlecht waren. Roosevelt forderte eine völlig neuartige Behörde. Auf seinen Vorschlag sollte der Kongress ein Unternehmen schaffen, ausgestattet mit der Macht der Regierung, aber zugleich beseelt mit der Flexibilität und Initiative einer Privatfirma. Am 18. Mai 1933 unterzeichnete Roosevelt das vom Kongress beschlossene TVA-Gesetz.

Die TVA war nicht nur als Versorger vorgesehen, sie sollte auch als regionale Agentur zur Wirtschaftsförderung tätig werden, die unter Einsatz von Experten des Bundes und insbesondere von Elektrizität in kürzester Zeit die Wirtschaft der Region modernisieren sollte, unter gleichzeitiger Beachtung von Umweltschutzaspekten. Von Anfang an gab es Widerstände gegen das TVA-Modell. Eine Koalition der Konservativen im Kongress beendete die Träume der New Dealer, weitere Einrichtungen wie die TVA im ganzen Land aufbauen zu können, so zum Beispiel die Columbia River Authority. Die Kritik war einerseits, derartige Einrichtungen wären Sozialismus, und andererseits, sie hätten unfaire Vorteile gegenüber konkurrierenden Privatunternehmen, da sie keinerlei Gewinnverpflichtung hätten.

1936 entschied der Supreme Court in der Sache Ashwander gegen TVA, dass der Bund den am Wilson Dam erzeugten Überschussstrom verkaufen durfte. Der Damm war im Ersten Weltkrieg für die Landesverteidigung und für die Schiffbarkeit des Flusses gebaut worden, beides unstreitig Aufgaben des Bundes, und über eigenes Eigentum darf der Bund verfügen. Über die Verfassungsmäßigkeit des TVA-Gesetzes im Ganzen hat das Gericht damit noch nicht entschieden.

Heute finanziert sich die TVA vollständig selbst, vor allem über den Verkauf von Elektrizität. Im Geschäftsjahr 2025 lag der Umsatz bei 13,7 Milliarden US-Dollar. Rund 11.000 Beschäftigte versorgen etwa 10 Millionen Menschen in Teilen von sieben Staaten des Südostens mit Strom zu Preisen, die unter dem nationalen Durchschnitt liegen; die Belieferung läuft überwiegend über 153 kommunale und genossenschaftliche Versorger. Die TVA ist der größte öffentliche Energieversorger der USA. Zum Kraftwerkspark gehören drei Kernkraftwerke, vier Kohlekraftwerke, rund 17 Gaskraftwerke, 29 Wasserkraftwerke, ein Pumpspeicherwerk und mehrere Solaranlagen. Die Kohlekraftwerke Kingston und Cumberland sollten stillgelegt werden; im Februar 2026 entschied der Verwaltungsrat, sie entgegen diesen Plänen am Netz zu lassen.

Die TVA gilt als Erfolgsgeschichte und ist bei den Einwohnern der Region sehr beliebt. Eine kleine Geschichte, die TVA und Politik verbindet, geht so: Ronald Reagan machte seit 1954 mit der Fernsehsendung General Electric Theater Werbung und wurde damit auch reich. 1962 wurde er von General Electric entlassen, einem Konzern, dessen Turbinen die TVA in großer Zahl abnahm, nachdem Reagan öffentlich erklärt hatte, die TVA sei eines der Probleme einer zu starken Regierung.

… dass Washington DC älter aussieht, als es ist?
Das Old Stone House, das älteste Haus Washingtons
Das Kapitol in seiner ersten Bauphase
Eine kolorierte Stadtansicht, im Hintergrund das unfertige Washington Monument
Das Kapitol mit den Seitenflügeln und der alten flachen Kuppel
Eine kolorierte Vogelschau über die Stadt bis zum Potomac
Das Kapitol mit der im Bau befindlichen Kuppel, dahinter der Stumpf des Washington Monuments
Eine Vogelschau über die Stadt, links im Vordergrund der abgebrochene Obelisk, rechts das Kapitol mit fertiger Kuppel
Washington mit dem noch unfertigen Washington Monument und einer Eisenbahnstation in der Mall
Ein abgebrochener Steinschaft auf freiem Feld, daneben Baracken
Das Washington Monument während der Bauunterbrechung
Das Smithsonian Castle, erbaut 1847 bis 1855
Das Lincoln Memorial im Bau

Georgetown wurde 1751 durch die Versammlung von Maryland als Hafenort am Potomac gegründet. Die erste Siedlung am Fluss war es nicht: Alexandria auf der Virginia-Seite geht auf das Jahr 1749 zurück, und beide gehörten später zum District of Columbia. Auf der Suche nach einem ständigen Regierungssitz erhielt George Washington mit dem Residence Act vom 16. Juli 1790 die Vollmacht zur Standortwahl; im Januar 1791 entschied er sich für ein Wiesen- und Sumpfgebiet nahe Georgetown. Philadelphia blieb bis 1800 provisorische Hauptstadt. 1791 wurde der District of Columbia, ursprünglich ein zehn mal zehn Meilen großes Quadrat, aus den Staaten Virginia und Maryland herausgenommen und umfasste somit die Städte Georgetown, Washington und Alexandria zu beiden Seiten des Potomac.

Nach ersten Ideen Thomas Jeffersons, der ein Schachbrettmuster für die neue Hauptstadt vorschlug, legte Pierre Charles L'Enfant einen spätbarocken Stadtplan mit weiten Boulevard-Achsen und großzügigen offenen Räumen vor. Er wurde jedoch bereits 1792 nach einer heftigen Auseinandersetzung mit dem Präsidenten George Washington entlassen und verschwand unter Mitnahme zahlreicher seiner Pläne. Der an seiner Stelle beauftragte Landvermesser Andrew Ellicott modifizierte die Pläne L'Enfants beträchtlich. Das Weiße Haus wurde kleiner als geplant; L'Enfant hatte einen Palast vorgesehen, der etwa fünfmal so groß wie das heutige Weiße Haus geworden wäre. Auch sonst blieb Washington DC über weite Teile des 19. Jahrhunderts wenig beeindruckend, wie es auch Charles Dickens nach einem Besuch 1842 benannte. Wegen des geringen Wachstums der Stadt wurde 1846 beschlossen und 1847 vollzogen, den District um das Alexandria County zu verkleinern, welches Virginia zugeschlagen und 1920 ohne die Stadt Alexandria in Arlington County umbenannt wurde.

Das Kapitol wurde ab der Grundsteinlegung am 18. September 1793 in einer ersten Bauphase bis 1826 errichtet und zwischen 1851 und 1863 um die beiden Seitenflügel und die gusseiserne Kuppel erweitert. Die Bauphase des Washington Monuments dauerte von der Grundsteinlegung am 4. Juli 1848 bis zum 6. Dezember 1884 und wurde immer wieder durch finanzielle Schwierigkeiten, durch Streit über von Papst Pius IX. gespendete Steine und durch den Bürgerkrieg unterbrochen. Grundlage für die Gestaltung der Mall war der McMillan-Plan von 1901/02; umgesetzt wurde er bis in die 1930er Jahre, nachdem dort noch im 19. Jahrhundert eine Eisenbahnstation westlich des Kapitols, ein Großmarkt und Gewächshäuser gestanden hatten.

Fast als Fremdkörper wirkt heute an der Mall das neuromanische Smithsonian Castle, 1847 bis 1855 nach dem Entwurf von James Renwick jr. erbaut und nach dem Brand von 1865 durch Adolf Cluss wiederhergestellt. Das Lincoln Memorial wurde 1922 eingeweiht, das Supreme Court Building zwischen 1932 und 1935 gebaut. Für das Jefferson Memorial setzte der Kongress 1934 eine Kommission ein, die Baumittel kamen 1938, eingeweiht wurde es am 13. April 1943. Prägend für das heutige klassizistische Stadtbild war der Architekt John Russell Pope (1874 bis 1937), dessen bekannteste Werke die National Archives, das Westgebäude der National Gallery of Art an der Mall und eben das Jefferson Memorial sind, das erst nach seinem Tod fertiggestellt wurde.

… was ein Muckraker ist?
Das Magazin McClure's
Eine zeitgenössische Karikatur zum Muckraking
Roosevelt lehnt sich aus dem Weißen Haus und harkt in einem Haufen, der als Senatorial Muck Heap beschriftet ist
Präsident Roosevelt mit der Mistharke, auf einer Karikatur

Die Periode zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Kriegseintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 wird gewöhnlich als die Zeit des Progressivismus bezeichnet. Im Wesentlichen gab es dafür drei Beweggründe. Einer war der empfundene Missstand von Korruption und Ineffizienz in der Regierung und zugleich die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform des politischen Systems, ganz besonders in den Städten, aber auch auf Staatsebene. Ein zweiter Schwerpunkt galt der Regulierung und Kontrolle des „Big Business“, der zunehmenden Besorgnis über die gewaltigen neuen Trust-Zusammenschlüsse, die sich im Gefolge der immer rascheren Industrialisierung nach dem Bürgerkrieg herausgebildet hatten; diese Trusts galt es auseinanderzubrechen oder zumindest streng zu regulieren. Eine dritte Besorgnis galt den städtischen Unterschichten, den Arbeits- und Lebensbedingungen der Slum-Bewohner und besonders dem akuten Problem der Kinderarbeit.

Eine neue Art Journalismus, beginnend bereits in den 1880er Jahren, trug dazu bei, diese Bewegung populär zu machen. Im Verlauf der Jahre nahmen sowohl die Häufigkeit wie die Aggressivität dieser Literatur zu. Im Oktober 1902 begann im New Yorker Magazin McClure's Lincoln Steffens' Serie über die Korruption städtischer Politikbetriebe, im November folgte Ida Tarbells Serie über Standard Oil. Das durch diese Artikel verursachte Aufsehen veranlasste den Herausgeber S. S. McClure zu einem prägnanten Editorial im Januarheft 1903. Etwas schien grundsätzlich falsch mit dem Charakter der Amerikaner zu sein, schrieb er. Eine große Zahl der amerikanischen Arbeitgeber, der Arbeiter und der Politiker verhalte sich zutiefst unmoralisch, Anwälte würden zu Werkzeugen der großen Unternehmen, Richter verhülfen Straftätern dazu, sich der Justiz zu entziehen, und so weiter. „Wir alle müssen dafür am Ende bezahlen“, schloss er.

Dieser Beitrag wurde als Sensation empfunden und erregte eine außergewöhnlich breite Aufmerksamkeit. Eine regelrechte Armee von Schriftstellern füllte bald Zeitungen und Magazine mit Missständen im Versicherungswesen, in der pharmazeutischen Industrie, im College-Sportbetrieb, bei der Prostitution, im Politikbetrieb der Parteien und bei einer Vielzahl anderer Organisationen. Diese Art Artikel veranlasste Präsident Theodore Roosevelt am 14. April 1906 dazu, diese Journalisten mit dem Mann mit der Mistharke aus „The Pilgrim's Progress“ zu vergleichen, der christlichen Allegorie John Bunyans von 1678. Zwar traf diese Interpretation Roosevelts die Aufdeckungsliteratur nicht richtig, aber dennoch galt seitdem für diese Art Journalismus die Bezeichnung Muckraking. Die betroffenen Journalisten lehnten den Ausdruck zunächst ab; spätere Generationen haben ihn positiv gewendet und als Ehrentitel verstanden.

… wie der Teddybär zu seinem Namen kam?
Präsident Theodore Roosevelt
Die Karikatur von Clifford K. Berryman
Vermutlich der erste Teddybär
Der nachgebaute Bär 55 PB im Steiff Museum

Im November 1902 nahm der damalige US-Präsident Theodore Roosevelt, Spitzname „Teddy“, an einer Bärenjagd bei Onward in Mississippi teil. Am 14. November stellten die Hunde des Jagdführers Holt Collier einen ausgewachsenen Schwarzbären von rund 100 Kilogramm; Collier schlug ihn nieder und band ihn an einen Baum. Roosevelt weigerte sich, das wehrlose Tier zu erschießen, ließ es aber von seinen Begleitern töten, weil es schwer verletzt war. Der Karikaturist Clifford K. Berryman verarbeitete die Szene in der Zeichnung „Drawing the Line in Mississippi“, die am 16. November 1902 in der Washington Post erschien. Von der Popularität der Karikatur angeregt, nähten der aus Russland eingewanderte Ladenbesitzer Morris Michtom und seine Frau Rose einen Stoffbären, stellten ihn im Schaufenster ihres Geschäfts in Brooklyn aus und baten Roosevelt um die Erlaubnis, ihn „Teddy's bear“ nennen zu dürfen. Der Teddybär war geboren. Aus dem Laden ging 1907 die Ideal Novelty and Toy Company hervor.

Es gibt hierzu auch eine deutsche Legende. Richard Steiff entwickelte 1902 den Bären 55 PB, den ersten Teddybären mit beweglichen Gliedern, und stellte ihn auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1903 aus. Dort bestellte ein amerikanischer Einkäufer 3.000 Stück für den Export in die USA. Der Erzählung nach gelangte ein solcher Bär über den Sekretär Roosevelts auf die Hochzeitstafel von dessen Tochter Alice, die im Februar 1906 im Weißen Haus heiratete, und wurde dort nach ihrem Vater „Teddy“ getauft. Belegen lässt sich diese Geschichte nicht. Belegt ist nur, dass Steiff die Bezeichnung „Teddy Bär“ ab 1906 offiziell verwendet.

… dass in der US-Verfassung die rechtliche Gleichberechtigung der Frauen noch nicht garantiert ist?
Ein Anstecker mit dem Wortlaut des Equal Rights Amendment
Werbung für das Equal Rights Amendment
Ein Demonstrationszug für das ERA
Junge Unterstützer des ERA
Zwei ältere Frauen mit Ansteckern, einer davon trägt die Aufschrift ERA
Ältere Unterstützerinnen des ERA
Phyllis Schlafly, die bekannteste Gegnerin des ERA
Karte der USA, braun die Staaten mit Zustimmung, orange die übrigen
Die Ratifizierung des ERA in den Einzelstaaten vor Ablauf der Frist

Obwohl der 19. Zusatz zur US-Verfassung 1920 das Frauenwahlrecht und damit die politische Gleichberechtigung garantiert hatte, argumentierten führende Frauenrechtlerinnen, dass dies nicht das Ende verbleibender rechtlicher Diskriminierungen von Frauen bedeute. Die National Woman's Party entwarf 1923 das Equal Rights Amendment (ERA) und leitete es dem Kongress zu, wo es zum ersten Mal als Senate Joint Resolution No. 21 am 10. Dezember 1923 und als House Joint Resolution No. 75 am 13. Dezember 1923 behandelt wurde. Obwohl das ERA zwischen 1923 und 1970 in jede Sitzungsperiode des Kongresses eingebracht wurde, kam es nur dreimal zu Abstimmungen in einer der Kammern, da es üblicherweise über die Beratungen in den Komitees nicht hinauskam. 1946 wurde es im Senat mit 38 zu 35 abgelehnt; 1950 und 1953 wurde es im Senat angenommen, jedoch mit einem Zusatz, dem Hayden Rider, der den Verfassungszusatz praktisch wertlos gemacht hätte.

In diesen frühen Jahren wurde das ERA heftig bekämpft durch die American Federation of Labor und andere Gewerkschaften, da diese befürchteten, dass dadurch Arbeitsschutzbestimmungen für Frauen eingeschränkt werden könnten. Ähnliche Gründe veranlassten auch Eleanor Roosevelt und die meisten New Dealer dazu, das ERA abzulehnen. Ablehnung kam auch von den meisten nördlichen Demokraten, die sich der Haltung der Gewerkschaften anschlossen, während Unterstützung von südlichen Demokraten und der Mehrheit der Republikaner kam. Die wichtigste Unterstützung für das ERA kam bis in die 1960er Jahre von reichen, konservativen Frauen.

Eine neue Frauenbewegung der 1960er Jahre, die National Organization for Women (NOW), forderte die völlige Gleichstellung der Frauen und zwang im Februar 1970 den Senat dazu, sich mit dem ERA zu beschäftigen, indem sie Komiteeanhörungen des Senats zu anderen Themen unterbrach. Im August dieses Jahres veranstalteten im ganzen Land Millionen von Amerikanerinnen einen Frauenstreik für Gleichberechtigung, wobei sie vollständige soziale, wirtschaftliche und politische Gleichstellung forderten. Jetzt reagierte das Kapitol, und am 22. März 1972 stimmte der Senat dem ERA zu, nachdem bereits am 12. Oktober 1971 das Repräsentantenhaus zugestimmt hatte. Somit wurde das ERA vom 92. Kongress den Parlamenten der Einzelstaaten gemäß Artikel V der Verfassung zur Ratifizierung zugeleitet, wobei ein Zeitlimit von sieben Jahren für die Erlangung des zum Inkrafttreten erforderlichen Dreiviertelquorums vorgeschrieben wurde, also für die Ratifizierung durch 38 Einzelstaaten. Am Ende des Zeitlimits, am 22. März 1979, hatten nur 35 Staaten ratifiziert. Eine Verlängerung der Frist bis zum 30. Juni 1982 änderte daran nichts.

Vielfach wird dies damit erklärt, dass die späten 1970er Jahre bereits stark durch die beginnende konservative Wendung in den USA dominiert wurden. Bekannt wurde in dieser Zeit die konservative Publizistin Phyllis Schlafly mit ihrer jahrelangen Kampagne gegen das ERA, durch das sie eine Bedrohung der traditionellen amerikanischen Familie und einen Abbau gewisser weiblicher Privilegien wie die Befreiung vom Wehrdienst oder den Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch den Ehemann befürchtete. Dennoch wurde das ERA in jeder Sitzungsperiode des Kongresses seit 1982 eingebracht. 1983 genehmigten Komitees des Repräsentantenhauses das ERA mit dem gleichen Text wie 1972, jedoch verfehlte die Abstimmung im Plenum die erforderliche Zweidrittelmehrheit um sechs Stimmen. Dies war das letzte Mal, dass das ERA im Kongress in ein Plenum gelangte.

Nevada ratifizierte den Zusatz im März 2017, Illinois im Mai 2018 und Virginia am 27. Januar 2020 als 38. Staat. Damit ist die Zahl von 38 Ratifizierungen erreicht, allerdings erst lange nach Ablauf der verlängerten Frist. Fünf Staaten, nämlich Nebraska, Tennessee, Idaho, Kentucky und South Dakota, hatten ihre Zustimmung in den 1970er Jahren zudem zurückgezogen. Das Justizministerium kam 2020 und erneut 2022 zu dem Ergebnis, dass die vom Kongress gesetzte Frist gültig und bindend ist. Das Bundesberufungsgericht für den District of Columbia bestätigte am 28. Februar 2023 die Abweisung einer Klage von Illinois und Nevada, mit der das Nationalarchiv zur Beurkundung gezwungen werden sollte. Präsident Biden erklärte am 17. Januar 2025, der Zusatz sei als 28. Verfassungszusatz geltendes Recht. Die Archivarin der Vereinigten Staaten widersprach und hielt fest, dass sie ihn nach geltender Rechtslage weder beurkunden noch veröffentlichen darf. Der Verfassungszusatz ist deshalb bis heute nicht Bestandteil der US-Verfassung.

… dass 1932 die US-Armee in Washington gewaltsam gegen US-Veteranen des Ersten Weltkrieges vorging?
Veteranen auf dem Bonus-Marsch
Die Bonus-Armee in Washington
Ein Lager der Veteranen am Rand der Hauptstadt
Polizeiaktion gegen die Veteranen
Zerstörung der Lager

Die Depression zu Beginn der 30er Jahre veranlasste die US-Veteranen des Ersten Weltkrieges, die sofortige Auszahlung einer Entschädigung für ihre Kriegsteilnahme zu verlangen, welche der Kongress 1924 per Gesetz in Form eines Fonds und über Zertifikate für die Veteranen zur abschließenden Auszahlung 1945 vorgesehen hatte. Die Differenz zwischen diesem finalen Entschädigungsanspruch und den bereits in Form von Anleihen teilweise darauf ausgezahlten Teilbeträgen, gesetzlich 1931 von ursprünglich 22,5 auf 50 Prozent festgesetzt, wurde im Sprachgebrauch der Veteranen und der Kongressmitglieder als Bonus bekannt.

Wegen des zu erwartenden Widerstandes seitens des Präsidenten Hoover und mehrerer Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses gegen eine solche gesetzliche Regelung organisierten Veteranengruppen überall im Land ab Mai 1932 einen Marsch in die Hauptstadt Washington, um ihren Forderungen dort Nachdruck zu verschaffen. Diese zumeist sehr schwierige Reise wurde als Bonus Marsch der Bonus Expeditionary Force bekannt. Mitte Juni waren etwa 20.000 Menschen in Washington eingetroffen, Veteranen mit ihren Familienangehörigen und unterstützenden Gruppierungen, und kampierten oft unter schmutzigen und ungesunden Bedingungen in Parks und Lagern am Rande der Hauptstadt, wobei sie auf Spenden vor allem an Lebensmitteln seitens einer Reihe von Organisationen, Kirchen und Privatleuten angewiesen waren.

Am 15. Juni 1932 nahm das Repräsentantenhaus ein den Forderungen der Veteranen entsprechendes Bonus-Gesetz an, wohingegen der Senat es am 17. Juni scheitern ließ. Durch den gesamten Juli hindurch veranstalteten die Veteranen weiterhin in der Hauptstadt Märsche und Versammlungen, trotz ultimativer Aufforderungen des Weißen Hauses, zur Vermeidung von Gewaltanwendung die Hauptstadt zu verlassen. Am 28. Juli 1932 ordnete der Generalstaatsanwalt Mitchell die polizeiliche Evakuierung der Bonus-Armee an. Dabei schossen zwei Polizisten, die sich gegen eine andrängende Menge verteidigten, und verletzten zwei Veteranen tödlich. Auf diese Nachricht hin befahl Präsident Hoover der Armee die Evakuierung der Veteranen.

Am Nachmittag des 28. Juli, gegen 16.30 Uhr, formierten sich unter dem Befehl von General Douglas MacArthur in der Pennsylvania Avenue ein Infanterie- und ein Kavallerieregiment mit Unterstützung von sechs Kampfpanzern unter dem Befehl von Major George S. Patton. Tausende Angestellte verließen ihren Arbeitsplatz und beobachteten das Geschehen. Die Veteranen glaubten zunächst, die Armee sei zu ihren Ehren aufmarschiert, und ließen die Soldaten hochleben, bis Major Patton einen Angriff der Kavallerie befahl, was die zuschauende Menge mit „Schande, Schande“-Rufen quittierte. Nach der Kavallerieattacke griff die Infanterie mit eingelegtem Bajonett und unter Verwendung eines Arsen enthaltenden und Brechreiz verursachenden Kampfgases des Weltkrieges an und vertrieb die Veteranen und alle Angehörigen aus den Lagern. Nachdem diese über den Anacostia Fluss in das Hauptlager der Veteranen geflohen waren, befahl Präsident Hoover, die Attacken einzustellen. General MacArthur war jedoch überzeugt, dass die Aktionen der Veteranen ein kommunistischer Umsturzversuch waren, setzte sich daher über den Befehl des Präsidenten hinweg und befahl einen erneuten Angriff. 54 Veteranen wurden verletzt und 135 verhaftet; ein weiterer Teilnehmer der Protestaktionen soll dabei tödlich verletzt worden sein. Während der Armeeaktion agierte der spätere Präsident Dwight D. Eisenhower, seinerzeit Major der Armee, als Verbindungsoffizier MacArthurs und hielt Kontakt zur Polizei der Hauptstadt.

In den folgenden Monaten versuchten nur noch wenige Veteranengruppierungen, weiteren Druck auf den Kongress auszuüben, und im Mai 1933 marschierten noch einmal rund 3.000 Veteranen nach Washington. Der neu gewählte Präsident F. D. Roosevelt lehnte ebenfalls eine Bonusauszahlung ab, demonstrierte jedoch seine Fürsorge um die arbeitslosen Veteranen, indem er per Verordnung 25.000 Betroffene in das Civilian Conservation Corps, eine Einrichtung des New Deal, für Waldarbeiten einstellen ließ. Nachdem die Veteranen eingesehen hatten, dass auch Präsident Roosevelt sein Veto gegen das Bonus-Gesetz einlegen würde, jedoch alternative Angebote zur Erleichterung ihrer Probleme machte, ließen sie allmählich von ihren Forderungen ab, und das Thema des Bonus verschwand schließlich aus den Nachrichten. Schließlich verabschiedete der Kongress 1936 gegen ein Veto des Präsidenten den Adjusted Compensation Payment Act, der die sofortige und abschließende Auszahlung von zwei Milliarden US-Dollar an die Weltkriegsveteranen genehmigte.

… dass Thomas Jefferson, der 3. Präsident der USA, Deutschland besucht hat?
Thomas Jefferson
Rüdesheim am Rhein

Thomas Jefferson, einer der einflussreichsten Staatstheoretiker der USA und maßgeblicher Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, war, bevor er von 1801 bis 1809 3. Präsident der USA wurde, von 1785 bis 1789 Gesandter der jungen Republik in Frankreich. In diesen Jahren machte der Weinliebhaber verschiedene Reisen, so im April 1788 eine entlang von Mosel, Rhein und Neckar, wobei er insbesondere im Rheingau den dortigen Wein schätzen und lieben lernte. In Frankfurt kehrte er im Gasthof „Zum Roten Haus“ des Wirtes John Adam Dick ein und probierte dort einen Hochheimer des Jahrgangs 1726. Danach ließ er sich gemeinsam mit seinem Freund und Reisebegleiter Baron de Geismar die Weinberge von Hochheim, Rüdesheim und Johannisberg zeigen und verkostete deren Produkte.

Besonders angetan war er von einem Wein, den er „Hock“ nannte. „You may taste at their tavern genuine Hock and one of the oldest“, soll er gesagt haben, wobei mit „Hock“ der Wein der Gegend um Hochheim gemeint war. Bevor er am 10. April 1788 Hochheim verließ, erwarb er 100 Weinstöcke für seinen Pariser Garten, ganz offensichtlich in der Absicht, sie später nach Monticello in Virginia zu überführen, denn Jefferson schrieb aus Paris an seinen Freund Geismar, dass seine Deutschlandreise erfolgreich gewesen sei, dass die Reben aus Hochheim und Rüdesheim in seinem Garten gediehen und er die Absicht habe, sie im nächsten Winter über den Atlantik zu verschiffen. Unklar ist, ob es tatsächlich zum Transport dieser Weinstöcke nach Monticello gekommen ist, denn als Jefferson im September 1789 zu einem sechsmonatigen Urlaub in die USA aufbrach, konnte er nicht wissen, dass er nicht wieder nach Europa zurückkehren würde. Washington ernannte ihn zum Außenminister, und bevor er selbst Präsident wurde, war er von 1797 bis 1801 Vizepräsident neben John Adams. Überliefert ist die Reise in dem Buch „Passions: The Wines and Travels of Thomas Jefferson“ von James Gabler.

… dass die USA in ihren ersten Jahren kein Präsidentenamt kannten?
Die Articles of Confederation
Die Verfassung von 1781
Ein Stich zeigt John Adams, Robert Morris, Alexander Hamilton und Thomas Jefferson
Führende Mitglieder des Kontinentalkongresses
Die Verfassung von 1787

Die erste Verfassung der jungen USA, die Articles of Confederation, lag bereits im Juli 1776 als Entwurf vor. Marylands Parlament ermächtigte seine Delegierten Anfang Februar 1781 zur Zustimmung, in Kraft traten die Artikel am 1. März 1781, und sie blieben bis 1789 gültig. Diese Verfassung sah als einziges Machtorgan einen Congress vor, in dem jeder der 13 Einzelstaaten eine Stimme hatte. Eine eigenständige Exekutive gab es nicht. Der Kongress wählte lediglich aus seiner Mitte einen Vorsitzenden, der den Titel President of the United States in Congress Assembled trug, die Sitzungen leitete und höchstens ein Jahr amtierte. Regierungsgewalt war damit nicht verbunden. Auch eine separate Judikative fehlte.

Die Befugnisse dieser Zentralregierung waren beschränkt auf Kriegserklärungen, Abschlüsse von Verträgen und Bündnissen mit fremden Mächten, die Aufteilung der gemeinsamen Ausgaben auf die einzelnen Staaten, das Münzrecht, das Postwesen und die Regulierung der Indianerfragen. Zwei ganz wesentliche Befugnisse fehlten, das Recht Steuern zu erheben und das Recht Handelspolitik zu betreiben. Alle Rechte, die nicht ausdrücklich der Zentralregierung zugeordnet waren, verblieben bei den Staaten. Die tief sitzende Furcht der Amerikaner vor einer zu starken Zentralregierung und einer Exekutivgewalt, die über die ohnehin geschwächten Exekutiven der Einzelstaaten hinausging, dürfte der Grund für diese Verfassung gewesen sein.

Die Unzulänglichkeiten dieser Verfassung wurden jedoch sehr bald deutlich. Außenpolitisch veranlasste die praktisch kaum vorhandene Zentralregierung Großbritannien und Spanien dazu, die Ergebnisse des Unabhängigkeitskrieges in den weiten Gebieten des Westens und Südwestens teilweise zu ignorieren. Die einzelnen Staaten sahen die Interessen der USA nur als zweitrangig an und kümmerten sich primär um eigene Belange. Sie benannten nur zögerlich Delegierte an den Congress oder entsandten diese erst gar nicht. Nur mit Schwierigkeiten konnte die nötige Anzahl an Mitgliedern zusammengebracht werden, um den Friedensvertrag von Paris 1783 zu ratifizieren. Als besonders gravierend erwies sich der Ansehensverlust dieser Zentralregierung durch die wachsenden Probleme der Finanzen und der Währung. Der Wertverlust des am Ende des Unabhängigkeitskrieges herausgegebenen Papiergeldes führte schließlich zu Unruhen, so zur Shays-Rebellion von 1786 und 1787 in Massachusetts, wo der verschuldete und bankrott gegangene Farmer Daniel Shays rund 1.500 Bewaffnete gegen das staatliche Arsenal in Springfield führen konnte; der Angriff erfolgte am 25. Januar 1787.

All dies führte zur wachsenden Erkenntnis, dass eine stärkere Zentralregierung für das Überleben des Staates erforderlich war. Obwohl zunächst nur eine Überarbeitung der Articles angestrebt war, erarbeiteten 55 Delegierte in der Philadelphia Convention unter Vorsitz von George Washington zwischen Mai und September 1787 eine völlig neue Verfassung, die heute gültige Constitution der USA; 39 von ihnen unterschrieben sie. Nach der Ratifizierung durch neun der 13 Einzelstaaten stimmten die Wahlmänner am 4. Februar 1789 ab, der Kongress zählte die Stimmen am 6. April aus, und am 30. April 1789 wurde George Washington als erster Präsident der USA vereidigt.

… dass die nationale Prohibition fast fünfzehn Jahre lang Bestandteil der amerikanischen Verfassung war?
Eine Gruppe Frauen unter einem Schild mit der Aufschrift Lips that touch liquor shall not touch ours
Frauen der Abstinenzbewegung
Eine geballte Faust mit der Aufschrift Law fährt zwischen Flaschen und Fässer
Eine Karikatur zum 18. Zusatzartikel
Beschlagnahmter Alkohol wird in die Kanalisation gekippt
Ein Polizist steht neben einem Wagen und gestapelten Kisten
Beschlagnahmte Kisten bei der Durchsetzung des Verbots
Ein Vordruck mit der Überschrift Prescription Form for Medicinal Liquor
Ein Rezept für Alkohol zu medizinischen Zwecken
Gäste in Abendgarderobe an einer Theke voller Flaschen
Ein als „Speakeasy“ getarntes Lokal
Menschen feiern unter einem Transparent mit der Aufschrift Good old days are back again
Das Ende der Prohibition

Nicht zuletzt deutsche Immigranten trugen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dazu bei, dass vor allem der Bierkonsum, aber auch der Genuss anderer Alkoholika in den immer zahlreicheren Saloons erheblich zunahm. Als die Saloons zunehmend auch Zentren von Glücksspiel und Prostitution wurden, formierte sich ein immer stärkerer Widerstand gegen die Saloons und den Konsum von Alkohol allgemein. 1893 wurde in Oberlin, Ohio, die Anti-Saloon League gegründet, die mit Unterstützung einer bereits 1869 gegründeten Prohibition Party und der Woman's Christian Temperance Union sehr rasch breite Zustimmung im ganzen Land fand. Der Zeitgeist der Ära des Progressivismus, das zum Teil puritanisch verbessernde Streben nach sozialen und wirtschaftlichen Reformen, förderte prohibitionistische Ansichten. Bis 1916 war die Prohibition in 23 Bundesstaaten eingeführt.

Der erhöhte Lebensmittelbedarf während des Ersten Weltkrieges verschärfte den Druck der öffentlichen Meinung. In die Verfassung aufgenommen wurde der 18. Zusatzartikel: Der Kongress beschloss ihn am 18. Dezember 1917 und legte ihn den Bundesstaaten vor. Am 16. Januar 1919 war er ratifiziert, in Kraft trat er nach seinem eigenen Wortlaut ein Jahr später, am 17. Januar 1920. Ein bundesweites Verbot war nur auf diesem Weg möglich, weil die Regelung des Alkoholhandels sonst Sache der Bundesstaaten war. Was ein verbotenes Getränk ist, legte erst das Ausführungsgesetz fest. Das nach dem Abgeordneten Andrew Volstead benannte National Prohibition Act zog die Grenze bei 0,5 Prozent Alkohol und regelte die Durchsetzung. Präsident Wilson legte dagegen am 27. Oktober 1919 sein Veto ein, der Kongress überstimmte ihn, und das Gesetz trat am 28. Oktober 1919 in Kraft.

Eine wirksame, öffentlich artikulierte Opposition gegen das „noble Experiment“ war zunächst kaum wahrzunehmen, obwohl es von Anfang an nicht nur in den „speakeasies“, den getarnten Kneipen, nach allen Regeln der Kunst umgangen wurde. Wichtig wurden auch gesellschaftliche und soziale Veränderungen. Das Zeitalter des Progressivismus war vorüber, der neue Präsident Harding sprach von „normalcy“ als Zeichen der Zeit. Eine neue Mittelschicht wurde in den wachsenden Vorstädten immer zahlreicher und versuchte das Leben der reichen Oberschicht zu imitieren, die sich ihrerseits durch die Prohibition keineswegs in ihrem Alkoholkonsum einschränken ließ. Sinclair Lewis hat in seinem Roman „Babbitt“ von 1922 diese neue Business Class und ihre Lebensweise überzeugend geschildert. Neuere Untersuchungen nennen es ein unglückliches Timing, dass die Prohibition den Aufstiegs- und Abgrenzungsbestrebungen dieser neuen Business Class mit ihrem geselligen Lebensstil in die Quere kam. Diese Schicht, die zuvor mit am Zustandekommen der Prohibition beigetragen hatte, sah jetzt im Alkohol durch Verbot und Knappheit ein Statussymbol. Auf den privaten Partys der Babbitts entwickelte sich mit „Cheers“ auf das schlechte Gewissen eine neue gesellschaftliche Trinkkultur.

Die zunehmende Kriminalisierung der illegalen Branche brachte schließlich das Ende der Prohibition. Während des Wahlkampfes 1932 spielte die Prohibitionsfrage eine mindestens ebenso wichtige Rolle wie die der Wirtschaftskrise. Gemäß seinem Wahlkampfversprechen unterzeichnete Präsident F. D. Roosevelt am 22. März 1933 den Cullen-Harrison Act, der Bier mit geringem Alkoholgehalt ab dem 7. April 1933 wieder erlaubte. Am 5. Dezember 1933 trat der 21. Zusatzartikel in Kraft, welcher den 18. Zusatzartikel aufhob. Das Alkoholverbot hatte damit knapp vierzehn Jahre bestanden, der Verfassungszusatz selbst fast fünfzehn.

… dass die älteste durchgehend bewohnte europäische Siedlung im Gebiet der heutigen USA von Spaniern gegründet wurde?
Lightner Museum und City Hall in St. Augustine
Die Hafenbefestigung von St. Augustine
Das Flagler College in St. Augustine
Der historische Ortskern von St. Augustine

Am 8. September 1565 gründete der spanische Admiral Pedro Menéndez de Avilés St. Augustine an der Ostküste Floridas im heutigen St. Johns County. Den Namen erhielt die Siedlung, weil seine Schiffe am 28. August, dem Namenstag des heiligen Augustinus, erstmals die Küste Floridas gesichtet hatten. St. Augustine ist die älteste durchgehend bewohnte Siedlung europäischen Ursprungs im Gebiet der heutigen kontinentalen Vereinigten Staaten.

Frühere Siedlungsversuche wie das spanische Pensacola an der Westküste Floridas (1559 bis 1561) oder das französische Fort Caroline (1564) auf dem Gebiet des heutigen Jacksonville, etwas nördlich von St. Augustine gelegen, waren gescheitert. Der erste englische Siedlungsversuch folgte 1585 auf Roanoke Island im heutigen North Carolina, die berühmte verlorene Kolonie wurde dort 1587 angelegt. Dauerhaft erfolgreich war erst Jamestown in Virginia, gegründet 1607, also 42 Jahre nach St. Augustine. Die spanische Stadt Santa Fe in New Mexico entstand 1610, spanische Niederlassungen gab es in New Mexico allerdings schon seit 1598.

… dass es in den USA ein Hermannsdenkmal gibt?
Eine Figur mit erhobenem Schwert steht auf der Kuppel eines runden Säulenbaus
Das Hermann Heights Monument in New Ulm, Minnesota
Das Denkmal von unten gesehen
Das Gag House in New Ulm

New Ulm ist eine Kleinstadt mit rund 14.000 Einwohnern, etwa 130 km südwestlich von Minneapolis und St. Paul in Minnesota gelegen. Nach der Volkszählung 2000 galt sie als die deutscheste Stadt der USA, damals gaben rund zwei Drittel der Einwohner eine deutsche Abstammung an. Nach den jüngsten Erhebungen des US-Zensusamtes für die Jahre 2020 bis 2024 sind es noch etwa 56 Prozent. Als Gründungsjahr gilt 1854, als eine Erkundung der in Chicago ansässigen deutschen Einwanderergruppe Chicago Land Society unter Führung von Frederick Beinhorn zur ersten Ansiedlung führte. Der Name New Ulm ergab sich aus der Tatsache, dass viele Siedler aus Württemberg stammten. Nach dem Zuzug einer weiteren Gruppe deutscher Immigranten von der Turner Colonization Society of Cincinnati unter der Führung von Wilhelm Pfaender wurde New Ulm 1857 zur Stadt erklärt.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts trug der Nativismus in weiten Teilen Amerikas zu einwanderungsfeindlichen Unruhen bei. Dagegen gründeten deutsche Einwanderer eine Sammelbewegung und benannten sie nach dem legendären Cheruskerführer Hermann (Arminius) Order of the Sons of Hermann. Auch in New Ulm gründete sich eine solche Vereinigung. In ihrer Führung tat sich besonders Julius Berndt hervor, der zugleich Sekretär der nationalen Sons of Hermann wurde. Seinem Einsatz und seinen Entwürfen ist zu verdanken, dass in New Ulm das 102 feet (31 m) hohe Hermann Heights Monument entstand, dem Hermannsdenkmal in Detmold nachempfunden; der Grundstein wurde 1888 gelegt, eingeweiht wurde es am 25. September 1897.

Nachdem sich die New Ulmer Loge des Order of the Sons of Hermann nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöst hatte, übernahm die Stadt New Ulm 1929 das Denkmal und die Sorge um seine Erhaltung. 1973 wurde es in das National Register of Historic Places aufgenommen, und im Jahr 2000 erkannte der 106. Kongress der USA dem Hermann Monument und dem Hermann Heights Park die Bedeutung eines nationalen Symbols für den Beitrag der Amerikaner deutscher Abstammung zu.

… dass es fast 30 Jahre lang eine russische Siedlung vor den Toren San Franciscos gegeben hat?
Fort Ross zur russischen Zeit
Fort Ross heute
Rotchevs House, das einzige ursprüngliche Gebäude in Fort Ross

1741 entdeckte Vitus Bering, ein dänischer Seeoffizier in russischen Diensten, die Südküste Alaskas und die Aleuten, und die russischen Zaren beanspruchten seitdem größere Territorien im äußersten Nordwesten des nordamerikanischen Kontinents. 1799 stimmte Zar Paul I. der Gründung der Russisch-Amerikanischen Kompanie zu und räumte ihr ein Handelsmonopol für das Gebiet vom 55. Breitengrad bis zur Beringstraße ein, was in etwa der heutigen Westküste Alaskas entspricht. Russische Seeleute und Händler drangen jedoch immer weiter nach Süden vor, und es gab auch zeitweilig Pläne, die gesamte Pazifikküste Nordamerikas in Besitz zu nehmen. Hauptsächlich als Versorgungsposten für die russischen Händler in Alaska wurde 1812 im heutigen Sonoma County, etwa 120 km nördlich von San Francisco, der Stützpunkt Ross errichtet, dessen Name auf Rossija anspielt und der heute als Fort Ross bekannt ist.

Als Zar Alexander I. 1821 das Handelsmonopol der Russisch-Amerikanischen Kompanie weiter nach Süden ausdehnen wollte, zunächst war der 51. Breitengrad genannt worden, kam es zu scharfen Protesten der USA und auch seitens Großbritanniens. Diese russischen Ambitionen waren einer der Beweggründe für die 1823 verkündete Monroe-Doktrin, mit der sich Präsident James Monroe gegen jede weitere europäische Kolonisation auf amerikanischem Boden wandte. Im Vordergrund stand dabei die Sorge, Spanien und Frankreich könnten in Lateinamerika wieder Fuß fassen. Die russischen Zaren waren von nun an sehr viel zurückhaltender gegenüber den expansiven Vorstellungen der Kompanie.

1841 wurde Fort Ross für 30.000 Dollar an den schweizerisch-amerikanischen Farmer John Sutter verkauft, zahlbar in Geld, Getreide und Vieh; Sutter hat den Betrag nie vollständig beglichen. Der wirtschaftliche Einfluss der Russisch-Amerikanischen Kompanie ging immer weiter zurück, und 1867 verkaufte Zar Alexander II. Russisch-Amerika, das heutige Alaska, für 7,2 Millionen US-Dollar an die USA.

… dass Afroamerikaner gemeinsam mit Weißen für Amerikas Freiheit gekämpft haben?
Afro-amerikanische Soldaten im Bürgerkrieg

Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1775 bis 1783 hatte George Washington, selbst Sklavenbesitzer, es zunächst abgelehnt, Afro-Amerikaner für seine Armee zu rekrutieren, da er in deren Bewaffnung die Gefahr einer Sklavenrebellion vermutete. Der Aufruf des britischen Gouverneurs von Virginia, Lord Dunmore, 1775 alle Sklaven zu befreien, die für die britische Krone gegen die rebellierenden Amerikaner kämpfen wollten, und die eigene kritische Lage zwangen Washington schließlich, seine Meinung zu ändern. Ende Dezember 1775 hob er das Verbot auf, am 16. Januar 1776 erlaubte auch der Kongress die Wiedereinstellung freier Afro-Amerikaner; 1777 wurde die Rekrutierung auf alle freien Männer ausgedehnt, später auch auf Sklaven gegen das Versprechen der Freilassung.

Insgesamt kämpften etwa 5.000 Afro-Amerikaner auf Seiten der Patrioten, teilweise in eigenen Einheiten unter Führung weißer Offiziere, hierfür entschied sich Rhode Island, teilweise aber auch in gemischten Einheiten. Im Süden rang sich nur Maryland zur Rekrutierung von Afro-Amerikanern durch, während Virginia dies nur in wenigen Ausnahmefällen zuließ, wenn Afro-Amerikaner anstelle ihrer weißen Herren kämpften. Das Parlament von South Carolina lehnte die vorgeschlagene Bewaffnung von 3.000 bis 5.000 Sklaven entschieden ab. Die einzige Zählung der Kontinentalarmee vom August 1778 weist 755 schwarze Soldaten aus, also knapp 4 Prozent der Mannschaftsstärke. Die vielzitierte Angabe von 25 Prozent geht auf eine einzelne Beobachtung des französischen Offiziers Ludwig von Closen aus dem Jahr 1781 zurück und gilt heute als deutlich überhöht.

Auch im Krieg gegen Großbritannien 1812 bis 1815 dienten Afro-Amerikaner, an Land wie zur See. Danach änderte sich das: Ab 1820 schlossen die Dienstvorschriften des Heeres Afro-Amerikaner ausdrücklich aus, so dass sie im Krieg gegen Mexiko 1846 bis 1848 nur noch in der Marine sowie als Diener und Arbeitskräfte dienen konnten. Getrennte Einheiten hatte es zwar schon im Unabhängigkeitskrieg gegeben, doch erst im Bürgerkrieg wurde die Trennung von weißen und schwarzen Soldaten zum durchgängigen System. Beendet wurde sie 1948 durch die Executive Order 9981 des Präsidenten Truman.

… was das „spoils system“ ist und wer es zum System gemacht hat?
Andrew Jackson, 7. Präsident der USA 1829 bis 1837
Jackson als Denkmalsfigur auf einem Schwein, der Sockel trägt die Worte To the victors belong the spoils
Eine Karikatur von Thomas Nast auf das spoils system, 1877

Als „spoils system“ bezeichnet man in den USA die Praxis der weitgehenden Übernahme öffentlicher Ämter durch Mitglieder oder Anhänger der siegreichen Partei. (Spoils bedeutet Beute.) Der Begriff geht auf Senator William L. Marcy aus New York zurück, der die Ämtervergabe 1832 mit dem Satz verteidigte, dem Sieger gehöre die Beute des Feindes. Politische Ämterpatronage gab es schon vor Andrew Jackson; Thomas Jefferson hatte ab 1801 Amtsträger der Föderalisten ersetzt. Zum durchgängigen System machte sie jedoch erst der 7. Präsident Andrew Jackson nach seinem Wahlsieg von 1828. Jackson selbst sah darin ein wichtiges republikanisches Prinzip: Die regelmäßige Neubesetzung öffentlicher Ämter sollte Korruption und verfilzte Bürokratie bekämpfen und die Öffentlichkeit stärker am politischen Geschäft beteiligen.

Nach dem Mord an Präsident Garfield beschloss der Kongress 1883 den Pendleton Civil Service Reform Act, der Bundesstellen an Eignungsprüfungen und das Leistungsprinzip band. Anfangs erfasste das Gesetz nur ein Zehntel der damals 132.000 Bundesbediensteten, heute gilt es für die große Mehrheit der rund 2,9 Millionen Stellen des Bundes. Ein neuer Präsident besetzt gegenwärtig etwa 4.000 Posten politisch, davon rund 1.200 mit Zustimmung des Senats.

Andrew Jackson war der erste Präsident, der in einfachen Verhältnissen aufgewachsen war. Alle seine sechs Vorgänger waren aus zur amerikanischen Elite gehörenden Familien der Ostküste hervorgegangen. Sein Wahlsieg galt als der Sieg des kleinen Mannes, was die tumultartigen Vorgänge bei seiner Amtseinführung erklären konnte. In seinen acht Jahren im Amt weitete er die exekutive Autorität entscheidend aus. Zum ersten Mal wurde das Präsidentenamt als die unwidersprochene Zentrale der Bundesregierung betrachtet; der plebiszitäre Charakter der Präsidentschaft wurde von ihm betont, da der Präsident, die Wahlmänner wurden jetzt auch vom Volk gewählt, im Gegensatz zu Senatoren und Abgeordneten des Repräsentantenhauses als Einziger vom ganzen Volk gewählt wurde. Jackson bestand darauf, dass seine Kabinettmitglieder seinen Anordnungen Folge zu leisten hätten. Darüber hinaus schuf er die Praxis des „Küchenkabinetts“ als spezielles Beratungsgremium. Er veränderte die Präsidentschaft von einem law-enforcing Amt in eine policy-making Organisation.

Er sprach 12mal ein Veto gegen Gesetze des Kongresses aus, fünf reguläre Vetos und sieben Pocket Vetos, und damit mehr als alle seine Vorgänger zusammen. Das Pocket Veto, eine Art Blockade der Gesetzgebung, indem der Präsident die Unterschrift in den letzten Tagen der Tagung des Kongresses verweigert, hatte James Madison 1812 erstmals angewandt; Jackson nutzte es nur weit häufiger.

… wie die Figur Uncle Sam als Personifizierung der USA entstanden ist?
Uncle Sam mit Zylinder zeigt aus dem Bild heraus, darunter I want you for U.S. Army
Uncle Sam auf dem Rekrutierungsplakat von James Montgomery Flagg
Über der Szene steht die Überschrift PEACE!, links bläst die Freiheitsgöttin in ein Horn, daneben sitzt Uncle Sam auf einem Stuhl, rechts stehen zwei Figuren unter Palmen, davor kniet eine dritte mit der Aufschrift CUBA
Karikatur vom Ende des 19. Jahrhunderts: Uncle Sam sieht zu, wie die Freiheitsgöttin Kuba, Puerto Rico und den Philippinen die Freiheit verkündet

Die Figur Uncle Sam geht auf den amerikanisch-englischen Krieg von 1812 bis 1815 zurück. Der Überlieferung nach erhielten damals Soldaten in einem Armeestützpunkt im Norden des Staates New York Fässer mit Fleischvorräten, die mit den Buchstaben „US“ versehen waren. Die Soldaten sollen dies zunächst als die Initialen des Fleischlieferanten verstanden haben, eines Fleischverpackers aus Troy, New York, mit Namen Samuel Wilson (1766 bis 1854), den sie „Uncle Sam“ nannten. Wilson lieferte der Armee Fässer mit gepökeltem Schweine- und Rindfleisch, die mit „US“ gestempelt waren. Später dann übertrugen die Soldaten diese Buchstaben auf die Vereinigten Staaten, die United States.

Das heute bekannte Aussehen der Figur geht auf den Grafiker James Montgomery Flagg zurück. Er schuf es 1916 als Titelbild der Zeitschrift Leslie's Illustrated Weekly, zunächst unter der Bildzeile „What Are You Doing For Preparedness?“, und nahm dabei sein eigenes Gesicht als Vorlage. Nach dem Kriegseintritt der USA 1917 übertrug Flagg die Rechte an die Regierung, der Text wurde zu „I Want You“, und das Bild wurde zum Rekrutierungsplakat. Davor gab es andere Darstellungen der Figur.

Der Kongress würdigte Samuel Wilson 1961 in einer gemeinsamen Entschließung beider Kammern als Urheber des nationalen Symbols. Ausdrücklich hielt die Entschließung dabei fest, dass der Kongress das Symbol selbst nie offiziell und dauerhaft festgeschrieben hat. Uncle Sam wird als die Personifizierung der USA verstanden. Er wird grundsätzlich als ein hagerer, älterer Mann mit weißer Hautfarbe, weißem Haar, Ziegenbart und meist ernster Miene dargestellt. Er trägt die Nationalfarben der USA, ein dunkelblaues Jackett mit rot-weiß gestreifter Hose. Sein Zylinder erscheint meist mit den Farben der Flagge, den Stars and Stripes.

… dass der Text der amerikanischen Nationalhymne während einer Verhandlungsmission entstand?
Die Flagge von Fort McHenry mit 15 Sternen und Streifen
Das Manuskript von Francis Scott Key
Der Druck von 1814

Während des amerikanisch-englischen Krieges 1812 bis 1815 erlebte der amerikanische Amateurdichter Francis Scott Key am 13. und 14. September 1814 die Bombardierung des Fort McHenry am Hafen von Baltimore. Er war nicht als Gefangener dort, sondern als Unterhändler: Gemeinsam mit John S. Skinner, dem amerikanischen Beauftragten für Kriegsgefangene, hatte er die britische Flotte aufgesucht, um die Freilassung des Arztes Dr. William Beanes zu erreichen. Die Verhandlung glückte, doch weil die beiden die britischen Angriffspläne kannten, durften sie bis zum Ende des Angriffs nicht an Land zurück. Key verfolgte die Beschießung deshalb vom eigenen amerikanischen Parlamentärsschiff aus. Die weit verbreitete Angabe, er habe an Bord des britischen Kriegsschiffs HMS Minden gestanden, ist ein Irrtum des 19. Jahrhunderts; das Schiff war während des ganzen Krieges nicht in nordamerikanischen Gewässern.

Am Morgen nach der Bombardierung wurde Key durch den amerikanischen Sieg und die immer noch auf dem Fort wehende Flagge zu dem vierstrophigen Gedicht „O say can you see …“ inspiriert, welches er zunächst „Defence of Fort McHenry“ nannte. Die Flagge hatte damals 15 Sterne und Streifen, da mit Kentucky und Vermont zwei weitere Staaten zu den ursprünglich 13 hinzugekommen waren. Keys Schwager Nicholson erkannte, dass das Gedicht zur Melodie von „To Anacreon in Heaven“ passte, dem um 1775 von John Stafford Smith komponierten Vereinslied eines Londoner Musikerklubs, und ließ es am 17. September 1814 drucken. Einige Tage später erschien es im Baltimore Patriot und im American mit dem Hinweis „Tune: Anacreon in Heaven“.

Nach der Veröffentlichung von Text und Melodie unter dem Namen „The Star-Spangled Banner“ durch Thomas Carr wurde das Lied sehr schnell populär. 1889 machte es der Marineminister zur offiziellen Melodie beim Hissen der Flagge, 1916 befahl Präsident Wilson, es bei militärischen und anderen geeigneten Anlässen zu spielen, und 1918 soll es zum ersten Mal während eines Baseballspiels der World Series erklungen sein. Am 3. März 1931 wurde „The Star-Spangled Banner“ durch die Unterschrift Präsident Hoovers unter ein entsprechendes Gesetz zur offiziellen Nationalhymne der USA. Zuvor waren andere Lieder zu offiziellen Anlässen als eine Art Staatshymne benutzt worden, so zum Beispiel „My Country, 'Tis of Thee“ nach der Melodie der englischen Nationalhymne oder „Hail Columbia“.

… dass es einen preußisch-jüdischen Gouverneur bei den Acoma Pueblo in New Mexico gegeben hat?
Das Acoma Pueblo
Ein Pueblo-Indianer
Eine Pueblo-Indianerin
Eine Handelsstation im amerikanischen Westen

Solomon Bibo wurde 1853 in Brakel in Westfalen, damals zu Preußen gehörig, als sechstes von elf Kindern des Kantors der jüdischen Gemeinde geboren. Seine älteren Brüder wanderten nach Amerika aus, fanden schließlich Arbeit bei einer Händlerfamilie in Santa Fe und begründeten dann in dem kleinen Nest Cebolleta eine Handelsstation inmitten der Navajo. 1869 folgte der 16jährige Solomon seinen Brüdern und arbeitete mit ihnen in einer Reihe von Handelsstationen bei verschiedenen Indianerstämmen des Südwestens. Sie kauften indianische Produkte und verkauften diese an die U.S. Armee zur Versorgung verschiedener Forts in der Gegend. 1882 errichtete Solomon eine Handelsstation beim Acoma Pueblo westlich von Albuquerque.

Bibo wurde bald von den Acoma um Hilfe bei Auseinandersetzungen um Landbesitzrechte gebeten. Seit der spanischen Eroberung des Pueblo 1599 hatte die Krone große Teile des seit jeher im Besitz des Pueblo befindlichen Landes an Siedler und Soldaten überschrieben, deren Nachfahren diese Ländereien teilweise immer noch beanspruchten. Bibo und sein Bruder Simon erreichten 1881 immerhin eine Überprüfung der amtlichen Vermessung durch das Innenministerium. Der Anspruch der Acoma setzte sich dabei allerdings nicht durch.

Im Jahr 1885 heiratete Bibo die Enkelin des Gouverneurs Juana Valle und wurde so Mitglied des Pueblo. Nach der spanischen Eroberung waren die Pueblo katholisch geworden und hatten spanische Amtsbezeichnungen wie Gouverneur anstelle von Häuptling übernommen, hielten aber dessen ungeachtet ihre religiösen und sonstigen Traditionen bei. Da es damals keinen Rabbiner in New Mexico gab, wurde zweimal geheiratet, einmal vor einem katholischen Priester und einmal indianisch. Im selben Jahr wählten die Acoma ihn zu ihrem Gouverneur. Er übte das Amt in vier getrennten Amtszeiten aus und blieb der einzige Nicht-Indianer, der je Gouverneur eines Pueblo war. Sein größter Erfolg war die Einrichtung einer Schule; 1885 beaufsichtigte er die Einstellung des ersten Lehrers im Pueblo.

Die wirtschaftliche Depression der 1890er Jahre ruinierte ihn finanziell, und er übersiedelte mit seiner Familie nach San Francisco, wo er seine Kinder in einer jüdischen Gemeinde aufzog und ihnen eine jüdische Erziehung gab. Er konnte sich finanziell wieder erholen und eröffnete schließlich ein Spezialitäten-Lebensmittelgeschäft. 1934 starb er in San Francisco, sieben Jahre später seine Frau Juana.

… dass Deutsch die am häufigsten genannte Abstammung in den USA ist?
Eine deutsch-amerikanische Jugendgruppe bei der Steuben-Parade
Werbung für den Deutschen Tag auf der Weltausstellung in St. Louis 1904
Eine Postkarte mit einem Turm vor gemalten Alpengipfeln, überschrieben mit German Tyrolean Alps
Souvenir von der Weltausstellung in St. Louis 1904
Die Steuben-Parade in New York City

Bis zum Jahr 2000 erhob das US Census Bureau im Department of Commerce die Abstammung der Amerikaner alle zehn Jahre über den langen Fragebogen des Zensus. Seit 2005 gehört die Frage zum American Community Survey und wird jährlich erhoben. Nach dem Zensus 2000 gaben 42,8 Millionen Amerikaner, 15 Prozent der Bevölkerung, eine deutsche oder teilweise deutsche Abstammung an; es folgten 30,5 Millionen mit irischer, 24,9 Millionen mit afro-amerikanischer und 24,5 Millionen mit englischer Abstammung, 20,2 Millionen nannten schlicht „amerikanisch“, 18,4 Millionen mexikanische und 15,6 Millionen italienische Vorfahren. Nach dem American Community Survey von 2022 sind es 41,1 Millionen mit deutscher Abstammung, gefolgt von 31,4 Millionen englischer, 30,7 Millionen irischer, 17,8 Millionen „amerikanischer“ und 16,0 Millionen italienischer Abstammung. Deutsch bleibt damit die am häufigsten genannte Herkunft, die Zahl geht aber langsam zurück.

Im langfristigen Trend dieser Abfragen werden die europäischen Abstammungen geringer, während afro-amerikanische, spanische und asiatische Abstammungen zunehmen. Man kann die Ernsthaftigkeit dieser Zahlen aus verschiedensten Gründen in Frage stellen; Mehrfachnennungen etwa deutscher, irischer und skandinavischer Vorfahren in ein und derselben Familie, oder der Umstand, dass man vor 1871 genau genommen von Deutschen überhaupt nicht sprechen konnte, allenfalls von Pfälzern, Sachsen oder Friesen. Dennoch ist richtig, dass Deutschland über anderthalb Jahrhunderte das wichtigste einzelne Herkunftsland der Einwanderung in die USA war; seit 1820 kamen von dort rund sieben Millionen Menschen.

… dass US-Historiker und Politologen seit 1948 regelmäßig Ranglisten der besten und schlechtesten Präsidenten erstellen?
In der Mitte Abraham Lincoln, um ihn herum George Washington, Franklin D. Roosevelt, Thomas Jefferson und Theodore Roosevelt
Die Spitzengruppe der Ranglisten
In der Mitte James Buchanan, um ihn herum Warren G. Harding, Franklin Pierce, Andrew Johnson und Ulysses S. Grant
Das untere Ende einer älteren Rangliste

Bis zu hundert Wissenschaftler beteiligen sich an dieser Beurteilung, wobei die Leistung jedes Präsidenten auf einer Punkteskala bewertet wird. Die Durchschnittswerte ergeben die Rangliste, die dann veröffentlicht wird. Das Ergebnis wird auch in Fachzeitschriften diskutiert und fehlt in keiner Präsidentenbiografie. Seit Jahrzehnten sind diese Ranglisten zumindest an den Rändern erstaunlich konstant.

Nach der Erhebung von C-SPAN unter Historikern und Präsidentschaftsforschern aus dem Jahr 2021 sind die fünf bestangesehenen Präsidenten in dieser Reihenfolge Abraham Lincoln, George Washington, Franklin D. Roosevelt, Theodore Roosevelt und Dwight D. Eisenhower. Das Presidential Greatness Project, für das 2024 rund 190 Fachleute befragt wurden, kommt zu Lincoln, Franklin D. Roosevelt, George Washington, Theodore Roosevelt und Thomas Jefferson. Am unteren Ende stehen bei C-SPAN 2021 James Buchanan, Andrew Johnson, Franklin Pierce, Donald Trump und William Henry Harrison.

James Buchanan, der als Vorgänger Lincolns von 1857 bis 1861 im Amt war, wird vorgeworfen, tatenlos zugesehen zu haben, als noch während seiner Präsidentschaft mehrere Südstaaten die Union verließen. Warren G. Harding, als Nachfolger Wilsons 1920 gewählt und bereits 1923 verstorben, liegt auf Rang 37; über ihn sagte der spätere Präsident Hoover: „Er war nicht der Mann mit der Erfahrung oder intellektuellen Fähigkeit, welche die Stellung erfordert.“ Franklin Pierce (1853 bis 1857) schätzte die Bedeutung der Sklavenfrage völlig falsch ein, trug durch seine Halsstarrigkeit wesentlich zu den Auseinandersetzungen des „Bleeding Kansas“ bei und provozierte zudem Konflikte mit Spanien und Großbritannien. Andrew Johnson, Nachfolger Lincolns von 1865 bis 1869, soll bei seiner Vereidigung als Vizepräsident betrunken gewesen sein; wesentlicher war aber seine Haltung in der Phase der Reconstruction, wodurch er mehr und mehr in Konflikt mit dem Kongress geriet und nur knapp einem Amtsenthebungsverfahren entging.

Bemerkenswert ist, wie stark einzelne Bewertungen sich über die Jahrzehnte verschieben. Ulysses S. Grant (1869 bis 1877), früherer Oberbefehlshaber der Nordstaatenarmeen und Held des Bürgerkriegs, dessen Präsidentschaft schon von Zeitgenossen als schwach, erfolglos und skandalumwittert beurteilt wurde, steht heute auf Rang 20. Auch George W. Bush ist gestiegen: 2006 hatten in einer Umfrage des Siena Research Institute unter 744 Fachleuten noch gut acht von zehn seine Präsidentschaft als unterdurchschnittlich oder gescheitert beurteilt, in den Ranglisten von 2021 und 2024 steht er auf Rang 29 beziehungsweise 32. Barack Obama liegt auf Rang 10 beziehungsweise 7. Die Bevölkerung kommt zu anderen Beurteilungen als die Wissenschaft; ihre Lieblinge sind meist Präsidenten der jüngeren Vergangenheit.

… dass Präsident Obama schon einige Minuten im Amt war, bevor er seinen Eid sprach?
Der Anfang der Verfassungsurkunde mit den Worten We the People, darauf ein Federkiel
Die Verfassung der USA

Zwar sagt Artikel II, Section 1 der Verfassung der USA über das Präsidentenamt: „Before he enter on the Execution of his Office, he shall take the following Oath or Affirmation …“, jedoch ist im 20. Zusatzartikel von 1933 in Section 1 festgelegt: „The terms of the President and Vice President shall end at noon on the 20th day of January … and the terms of their successors shall then begin.“ Es war am 20. Januar 2009 bereits etwa 12:05 Uhr, als Barack Obama seinen Eid sprach, er somit bereits etwa fünf Minuten Präsident der USA war. Chief Justice Roberts versprach sich dabei in der Eidesformel; der Eid wurde deshalb am Abend des 21. Januar 2009 im Weißen Haus vorsorglich wiederholt.

… dass ein US-Präsident und sein Vize einmal aus gegnerischen Parteien gewählt worden waren?
Der Federalist Alexander Hamilton
Der Federalist John Adams
Der Republikaner Thomas Jefferson

Während der beiden Amtszeiten von George Washington hatte sich ein erstes Zweiparteiensystem herausgebildet, das „first party system“; den die Regierung stützenden Federalisten mit Hamilton als starkem Mann dieser Administration stand eine Gruppe von Oppositionellen um Madison und Jefferson gegenüber, die sich selbst Republikaner nannten und in der Fachliteratur als Democratic-Republicans geführt werden, nicht zu verwechseln mit der heutigen Republikanischen Partei. Bei den Präsidentschaftswahlen 1796 standen sich somit erstmals zwei Parteien gegenüber. Die damals sehr zerstrittenen Federalisten einigten sich schließlich auf John Adams als Kandidaten, während die Republikaner Jefferson nominierten.

Damals, politische Parteien waren in der Verfassung nicht vorgesehen, wurden Präsident und Vizepräsident von den Wahlmännern noch in einem gemeinsamen Wahlgang gewählt. Jeder der Wahlmänner hatte zwei Stimmen, ohne diese für den Präsidenten oder den Vizepräsidenten benennen zu können. Wer die höchste Stimmenzahl erhielt, vorausgesetzt, dies war die Mehrheit aller Wahlmännerstimmen, wurde Präsident, und der Kandidat mit der zweithöchsten Stimmenzahl sein Vizepräsident. Hamilton war mit seinem Parteikollegen Adams verfeindet, nannte ihn sogar ungeeignet für das Präsidentenamt und versuchte seine Wahl durch eine Intrige zugunsten des Vizepräsidentschaftskandidaten der Federalisten zu hintertreiben. Dies ging schief, und als überraschendes Wahlergebnis, ausgezählt am 8. Februar 1797, ergab sich die in der Geschichte der USA einmalige Situation, dass der Präsident John Adams ein Federalist war und sein Vizepräsident Thomas Jefferson ein Republikaner. Der 12. Verfassungszusatz von 1804 trennte die Wahl von Präsident und Vizepräsident, seither kann sich diese Konstellation nicht wiederholen.

… was die kürzeste Amtszeit eines US-Präsidenten war?
William H. Harrison, der 9. Präsident der USA
John Tyler, der 10. Präsident der USA

William H. Harrison wurde 1840 zum 9. Präsidenten der USA gewählt. Er wurde am 4. März 1841 bei kaltem, nassem Wetter vereidigt und hielt dabei die bis heute längste Antrittsrede eines US-Präsidenten. Er starb bereits am 4. April 1841, nach 31 Tagen im Amt, und hatte damit die kürzeste Amtszeit aller US-Präsidenten. Als Todesursache galt lange eine Lungenentzündung nach einer Erkältung. Eine medizinhistorische Untersuchung von 2014 hält dagegen ein Typhus- oder Paratyphusfieber für wahrscheinlicher, das Harrison sich über das damals durch Abwässer verunreinigte Trinkwasser Washingtons zugezogen hatte.

Im Amt folgte ihm der gewählte Vizepräsident John Tyler, dessen präsidentielle Rechte anfangs umstritten waren, der jedoch als 10. Präsident gezählt wird. Eine ausdrückliche verfassungsrechtliche Grundlage für diesen Übergang und für die Neubesetzung des Vizepräsidentenamtes entstand erst mit dem 25. Verfassungszusatz, den der Kongress am 6. Juli 1965 beschloss und der am 10. Februar 1967 ratifiziert wurde. Danach schlägt der Präsident einen neuen Vizepräsidenten vor, der sein Amt nach Zustimmung beider Kammern des Kongresses antritt. Diese Regelung wurde als notwendig gesehen, da ansonsten die Nummer drei der gesetzlichen Nachfolgeordnung nachzurücken hätte und damit die Trennung zwischen Exekutive und Legislative durchbrochen würde; seit dem Presidential Succession Act von 1947 ist das der Sprecher des Repräsentantenhauses, zu Tylers Zeit war es nach dem Gesetz von 1792 der Präsident pro tempore des Senats. Eine solche Regelung gab es damals noch nicht, deshalb blieb das Amt des Vizepräsidenten während der gesamten Amtszeit John Tylers, also bis 1845, vakant.

… wer sich als erste Afroamerikanerin um die Präsidentschaftskandidatur einer der beiden großen Parteien bewarb?
Shirley Chisholm am 25. Januar 1972, dem Tag ihrer Bewerbung
Jesse Louis Jackson, der sich 1984 und 1988 bewarb
Reverend Jesse Jackson als Bürgerrechtler
Jesse Jackson und Barack Obama

Shirley Chisholm, Abgeordnete aus New York, bewarb sich 1972 als erste Afroamerikanerin um die Präsidentschaftskandidatur einer der beiden großen Parteien. Sie trat in zwölf Vorwahlen an und erhielt auf dem Parteitag der Demokraten 152 Delegiertenstimmen. Noch früher hatte George Edwin Taylor 1904 für die National Liberty Party kandidiert.

Die aussichtsreichsten Bewerbungen vor Barack Obama unternahm Jesse Louis Jackson. Er wurde 1941 in Greenville, South Carolina, geboren und stieg in den 1960er Jahren neben Martin Luther King zu einem der wichtigsten schwarzen Bürgerrechtler auf. Nach dem Attentat auf King am 4. April 1968 in Memphis trat er am folgenden Tag in einem Hemd vor die Fernsehkameras, das nach seinen Angaben Kings Blut trug. Seine Schilderung der Ereignisse blieb umstritten. Im selben Jahr wurde er zum Baptistenprediger ordiniert, 1971 gründete er die Bürgerrechtsorganisation Operation PUSH, People United to Save Humanity. Während der folgenden 15 Jahre wurde Reverend Jesse Jackson auch international berühmt als unnachgiebiger Kämpfer für Bürgerrechte.

1984 bewarb er sich erstmals um die demokratische Präsidentschaftskandidatur und landete hinter Walter Mondale und Gary Hart auf dem dritten Platz. 1988 trat er erneut an, diesmal entwickelte sich ein enges Duell mit dem Gouverneur von Massachusetts, Michael S. Dukakis. Jacksons populistische Parolen kamen sowohl bei den armen Weißen wie auch bei den Schwarzen gut an, und er beendete die Vorwahlen mit rund 6,9 Millionen Stimmen als Zweiter. Er hoffte auf die Nominierung als Kandidat für die Vizepräsidentschaft; Dukakis entschied sich jedoch für den konservativen Senator Lloyd Bentsen aus Texas. In späteren Jahren wurde Jackson wiederholt durch Reisen bekannt, mit denen er, oft ohne offiziellen Auftrag der US-Regierung, die Freilassung von Gefangenen in Syrien, Kuba, im Irak und im früheren Jugoslawien erreichte. Er starb am 17. Februar 2026 im Alter von 84 Jahren in Chicago.

… wer der erste diplomatische Vertreter der USA in Berlin war?
John Quincy Adams
John Quincy Adams 1796, im Jahr vor seiner Berliner Mission, gemalt von John Singleton Copley
Das Tor mit der Quadriga zwischen den beiden Torhäusern, davor Spaziergänger
Das Brandenburger Tor in Berlin, Aquatinta von 1796

1797 kam John Quincy Adams, geboren 1767 in Massachusetts und gestorben 1848 in Washington DC, als erster diplomatischer Vertreter der USA an den preußischen Hof in Berlin. Am 5. Dezember 1797 überreichte er sein Beglaubigungsschreiben, seine Mission endete am 5. Mai 1801. Sein Titel war Minister Plenipotentiary, also bevollmächtigter Gesandter; den Rang eines Botschafters führte in Berlin erst Theodore Runyon ab dem 26. Oktober 1893. Botschaftsgebäude gab es damals noch nicht, man residierte in angemieteten, wechselnden Räumen. Von 1801 bis 1835 hatten die USA in Preußen keinen eigenen Missionschef. 1835 kam mit Henry Wheaton wieder ein Vertreter nach Berlin, zunächst als Geschäftsträger, ab 1837 als Gesandter. Diplomatische Vertretungen der USA in Berlin, nach 1871 bei Deutschland anstelle Preußens, gab es dann kontinuierlich mit Ausnahme der Unterbrechungen durch die Kriegsjahre.

John Quincy Adams war der Sohn des 2. Präsidenten der USA, John Adams. Vor Berlin hatte er sein Land in den Niederlanden vertreten, später in Russland und in Großbritannien (1815 bis 1817). Für Portugal war er 1796 zwar ernannt worden, trat den Posten aber nie an. 1825 wurde er selbst 6. Präsident der USA und blieb es bis 1829. 1841 vertrat er vor dem Supreme Court die Afrikaner des spanischen Schiffes La Amistad, die sich befreit hatten und in den USA gelandet waren. Das Gericht stellte fest, dass sie nie rechtmäßig Sklaven gewesen waren, und ordnete ihre Freilassung an, so dass sie als freie Menschen in ihre Heimat zurückkehren konnten.

… wie oft es den Ortsnamen Germantown in den USA gibt?
Germantown in Indiana
Germantown in Kentucky
Germantown in Maryland
Germantown in Pennsylvania
Germantown in Tennessee
Germantown in Wisconsin

Den Ortsnamen Germantown gibt es in den USA vielfach; so benannt sind Städte, Dörfer, Stadtteile und andere Örtlichkeiten. Die amtliche Namensdatenbank des US Geological Survey verzeichnet gegenwärtig 34 bewohnte Orte dieses Namens, darunter 6 in Pennsylvania, 4 in Maryland und je 3 in New York, Ohio und Tennessee. Das älteste ist das 1683 gegründete Germantown, die erste dauerhafte deutsche Siedlung in Amerika, heute ein Stadtteil von Philadelphia. Nach diesem Ort und der dortigen Schlacht des Unabhängigkeitskrieges vom 4. Oktober 1777 sind auch zwei Schiffe der US Marine benannt: die 1846 vom Stapel gelaufene Sloop Germantown und das 1986 in Dienst gestellte Docklandungsschiff USS Germantown.

… dass 9 Amerikaner Präsident der USA wurden, ohne dazu gewählt worden zu sein?
John Tyler, 10. Präsident 1841 bis 1845
Millard Fillmore, 13. Präsident 1850 bis 1853
Andrew Johnson, 17. Präsident 1865 bis 1869
Chester A. Arthur, 21. Präsident 1881 bis 1885
Theodore Roosevelt, 26. Präsident 1901 bis 1909
Calvin Coolidge, 30. Präsident 1923 bis 1929
Harry S. Truman, 33. Präsident 1945 bis 1953
Lyndon B. Johnson, 36. Präsident 1963 bis 1969
Gerald Ford, 38. Präsident 1974 bis 1977

Von diesen 9 Vizepräsidenten, die Präsidenten wurden, war Gerald Ford der Einzige, der weder als Präsident noch als Vizepräsident jemals vom amerikanischen Volk gewählt worden war; Präsident Nixon nominierte Gerald Ford als Vizepräsident, nachdem der bisherige Vizepräsident Spiro Agnew zurückgetreten war, und er selbst wurde dann Präsident nach dem Rücktritt Nixons wegen des Watergate-Skandals. Vier dieser als Vizepräsident ins Amt gekommenen Präsidenten wurden durch Wahl im Amt bestätigt, und ebenfalls vier kamen ins Amt, nachdem ihr Vorgänger erschossen worden war.

Im Einzelnen waren diese 9 ehemaligen Vizepräsidenten: John Tyler (10. Präsident 1841 bis 1845), Millard Fillmore (13. Präsident 1850 bis 1853), Andrew Johnson (17. Präsident 1865 bis 1869; Vorgänger A. Lincoln erschossen), Chester A. Arthur (21. Präsident 1881 bis 1885; Vorgänger J. A. Garfield erschossen), Theodore Roosevelt (26. Präsident 1901 bis 1909, wiedergewählt; Vorgänger W. McKinley erschossen), Calvin Coolidge (30. Präsident 1923 bis 1929, wiedergewählt), Harry S. Truman (33. Präsident 1945 bis 1953, wiedergewählt), Lyndon B. Johnson (36. Präsident 1963 bis 1969, wiedergewählt; Vorgänger J. F. Kennedy erschossen) und Gerald Ford (38. Präsident 1974 bis 1977; Vorgänger R. Nixon zurückgetreten).

… dass Monrovia, die Hauptstadt des westafrikanischen Staates Liberia, nach dem 5. US-Präsidenten James Monroe benannt wurde?
Präsident James Monroe
Henry Clay leitete 1816 die Gründungsversammlung der American Colonization Society
Chief Justice John Marshall, Mitglied der American Colonization Society

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts überschattete in den USA die Sklavenfrage immer stärker alle anderen Reformbewegungen, die besonders in den ersten Jahrzehnten auf vergleichbares Interesse gestoßen waren. In der Kolonialzeit hatten die meisten Amerikaner die Sklaverei schon aus wirtschaftlichen Gründen als eine Notwendigkeit akzeptiert, darüber hinaus galt sie ihnen sogar durch die Bibel sanktioniert. Die Freiheits- und Gleichheitsideale der Revolution riefen eine weit verbreitete Ablehnung dieser Einrichtung hervor, sogar im Süden. Jedoch ebbte diese Ablehnung zu Beginn des 19. Jahrhunderts ab. Anti-Sklaverei-Gesellschaften, besonders zahlreich in den nördlichen Südstaaten, agitierten weiterhin, jedoch recht gedämpft, und strebten im Kern lediglich eine allmähliche Sklavenbefreiung an.

Im Jahr 1816 wurde die American Colonization Society gegründet, die die Ansiedlung befreiter Sklaven in Westafrika anstrebte, was in den USA als Colonization bezeichnet wurde. Aus ihren Aktivitäten ging ab 1822 eine Siedlung an der westafrikanischen Küste hervor. 1824 erhielt diese den Namen Liberia und ihre Hauptstadt den Namen Monrovia, nach dem 5. US-Präsidenten James Monroe, der von 1817 bis 1825 im Amt war. Eine unabhängige Republik wurde Liberia erst 1847.

Die Gesellschaft gewann viele Anhänger der Idee im Norden wie auch im Süden, sogar einige der später führenden und entschiedenen Sklavereigegner der Bürgerkriegszeit glaubten zunächst, dass die Kolonisierung den Weg zur Sklavenbefreiung ebnen könne. Im Süden sahen jedoch viele diesen Weg im Wesentlichen lediglich als eine Gelegenheit, das Land von befreiten Sklaven zu reinigen, die als potentielle Anführer von Sklavenaufständen gelten konnten. Jedoch war es bereits um 1830 offensichtlich, dass die Idee der Kolonisierung gescheitert war. Daran änderte sich auch nichts, als Präsident Lincoln zu Beginn des Bürgerkrieges noch einmal Kolonisierung als eine Möglichkeit zur Lösung des Rassenproblems ansah. Bis zum Bürgerkrieg war nur ein kleiner Bruchteil der schwarzen Bevölkerung im Sinne der Kolonisierung in Westafrika angesiedelt worden.

… was Manifest Destiny bedeutet?
Das Gemälde „American Progress“ von John Gast, um 1872
Karte mit den farbig abgesetzten Gebietserwerbungen von den dreizehn Kolonien bis Alaska und Hawaii
Die Ausdehnung des Staatsgebiets der USA

Die Formulierung Manifest Destiny („offenkundige Bestimmung“) wurde zum ersten Mal 1845 verwendet, in einem unsignierten Aufsatz der Zeitschrift United States Magazine and Democratic Review, der üblicherweise dem Journalisten John L. O'Sullivan zugeschrieben wird und für die Annexion der damals noch selbstständigen Republik Texas warb. Ein wenig später, am 27. Dezember 1845, argumentierte O'Sullivan in seiner Zeitung, den New York Morning News, dass die USA berechtigt seien, das gesamte Territorium Oregon einzufordern: „And that claim is by the right of our manifest destiny to overspread and to possess the whole of the continent which Providence has given us for the development of the great experiment of liberty and federated self-government entrusted to us.“

Manifest Destiny gab der Vermutung Ausdruck, dass von der Vorsehung die Kontrolle des gesamten nordamerikanischen Kontinents für die USA bestimmt sei. Befürworter, damals insbesondere Demokraten, glaubten, dass eine solche Expansion nicht nur gut sei, sondern dass sie auch offensichtlich („manifest“) und ganz sicher („destiny“) so erfolgen würde. Manifest Destiny lieferte somit eine bequeme Begründung für die territoriale Ausdehnung der USA durch Nordamerika bis hin zum Pazifik und, krass ausgedrückt, in den Augen ihrer damaligen Befürworter auch dafür, dass geringwertigere Bevölkerungen wie Indianer oder Mexikaner landhungrigen Pionieren weichen müssten. Die Formulierung drückte die Überzeugung des 19. Jahrhunderts aus, dass es eine Mission der USA sei, ihre Form der Demokratie und der Freiheit weiter zu verbreiten. Wie andere Ideen des 19. Jahrhunderts auch beinhaltete Manifest Destiny viel Idealismus und Romantik, aber es gab auch Elemente von aggressivem Denken und sogar Rassismus, was in den politischen Diskussionen jener Tage von den Kritikern offen angesprochen wurde.

Manifest-Destiny-Gedanken wurden nach dem Bürgerkrieg um 1890 wiederbelebt, jetzt jedoch von republikanischer Seite als theoretische Rechtfertigung für die Expansionsbestrebungen der USA außerhalb des nordamerikanischen Kontinents. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam dieser Ausdruck für amerikanische Politiker außer Mode, dennoch glauben einige Kommentatoren, dass Elemente des Manifest Destiny, insbesondere der Glaube an eine amerikanische Mission zur weltweiten Verbreitung und Verteidigung der Demokratie, nach wie vor einen Einfluss auf politische Ideologien der USA haben.

… dass Coca-Cola bis weit in den Zweiten Weltkrieg hinein in Deutschland produziert wurde?
Eine bauchige Glasflasche mit eingeprägtem Coca-Cola-Schriftzug
Eine frühe Coca-Cola-Flasche
Eine Hand hält eine Konturflasche, darunter eine Straßenszene
Eine amerikanische Zeitungsannonce für Coca-Cola in Flaschen, 1922
Eine Frau mit großem Hut hält ein Glas Coca-Cola
Frühe Coca-Cola-Werbung aus den USA
Fünf Soldaten lehnen an einem Verandageländer und trinken aus Konturflaschen
Amerikanische Soldaten mit Coca-Cola im Zweiten Weltkrieg
Ein großflächiges Plakat an einem Berliner Haus mit den Jahreszahlen 1954, 1974, 1990 und 2010 und einem Fußballpokal
Coca-Cola-Werbung in Deutschland zur Fußballweltmeisterschaft 2010

Am 8. April 1929 füllte die „Essener Vertriebsgesellschaft mit beschränkter Haftung für Naturgetränke“ in Essen die erste Coca-Cola-Flasche in Deutschland ab. Geschäftsführer war der aus Atlanta entsandte Ray Rivington Powers. 1930 kam die Coca-Cola GmbH hinzu, die den Sirup lieferte, während in Essen abgefüllt wurde. Der endgültige Durchbruch kam mit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin.

Selbst nach Kriegsbeginn lief das Geschäft zunächst weiter, doch die Rohstoffe für die Cola-Herstellung wurden immer knapper. Max Keith, Geschäftsführer der Coca-Cola GmbH, ließ deshalb 1940 ein neues Erfrischungsgetränk entwickeln: Fanta, benannt nach der Fantasie, mit der seine Mitarbeiter einen Namen suchen sollten. Es bestand aus Molke und Apfeltrester, den Rückständen der Apfelweinpressung. Fanta sicherte den Bestand des Unternehmens, während die Coca-Cola-Produktion 1942 eingestellt werden musste.

Nach dem Krieg lief die Coca-Cola-Produktion in Essen wieder an. Die heute bekannte Orangenlimonade Fanta ist eine Neuentwicklung von 1955 und hat mit dem Kriegsgetränk nur den Namen gemeinsam.

… wie und wann Hawaii zum 50. Bundesstaat der USA wurde?
Karte der Inselkette mit Honolulu auf Oahu und dem Mauna Kea auf Hawaii
Die Inseln von Hawaii
Königin Liliuokalani, die letzte Monarchin Hawaiis, um 1891
Angetretene Marinesoldaten vor dem Palast, darüber weht die amerikanische Flagge
Die Flaggenhissung am Iolani-Palast in Honolulu bei der Annexion, 12. August 1898
Eisenhower sitzt am Tisch der Zeremonie und gibt einem Mann die Hand, dahinter Umstehende, rechts Flaggen
Präsident Eisenhower macht Hawaii am 21. August 1959 per Proklamation zum 50. Bundesstaat

Seit 1820, als amerikanische Walfänger und Missionare aus den Neuenglandstaaten zum ersten Mal nach Hawaii kamen, das damals eine Monarchie war, verstärkten sich die Bindungen an die USA ständig. Am Ende des Bürgerkrieges hatten amerikanische Siedler, zumeist Kinder der Missionare, Zuckerplantagen aufgebaut und dominierten damit sowohl die Wirtschaft wie auch die Regierung der Inseln; die Ananasindustrie kam erst um die Jahrhundertwende hinzu. Ein Handelsvertrag von 1875 erlaubte einerseits den ungehinderten Export von Hawaii-Zucker in die USA, verbot Hawaii aber andererseits, Teile seines Territoriums anderen Mächten in irgendeiner Weise zur Verfügung zu stellen, und machte Hawaii so wirtschaftlich stark von den USA abhängig. Ein weiterer Vertrag von 1887 schränkte die Unabhängigkeit Hawaiis noch weiter ein, indem den USA ein exklusiver Marinestützpunkt in Pearl Harbor eingeräumt wurde.

Die amerikanischen Plantagenbesitzer hatten bis dahin nicht nach einer Annexion durch die USA verlangt. 1890 wurde jedoch ein neuer, für ihren Zuckerexport nachteiliger US-Zolltarif beschlossen, und 1891 bestieg eine neue Monarchin den Thron Hawaiis mit der erklärten Absicht, die Dominanz der Fremden zu beseitigen. Daraufhin verursachten die amerikanischen Farmer im Januar 1893 mit Unterstützung von Marinesoldaten des Kreuzers Boston, der damals in Honolulu ankerte, eine Revolte, setzten die Monarchin ab, riefen eine provisorische Regierung aus und entsandten sofort eine Delegation nach Washington mit der Bitte um Annexion. Erste dementsprechende Verträge stießen jedoch auf Widerstand seitens anti-imperialistischer Demokraten sowie auf den einheimischer Zuckerproduzenten. Erst während des Krieges mit Spanien wurde Hawaii 1898 nach einer gemeinsamen Entschließung des Kongresses annektiert, ein Verfahren, wofür nur eine einfache Mehrheit erforderlich war.

Nachdem die Hawaiianer im Verlauf der Jahre durch Einwanderung aus Asien und aus den USA zur Minderheit im eigenen Land geworden waren, unterzeichnete Präsident Eisenhower am 18. März 1959 den Hawaii Admission Act. Am 27. Juni 1959 stimmten die Wähler Hawaiis mit 132.773 zu 7.971 Stimmen für die Aufnahme in die Union, und am 21. August 1959 machte Eisenhower Hawaii mit einer Proklamation zum 50. Bundesstaat. 1993 verabschiedete der Kongress die sogenannte Apology Resolution, die den Sturz der Monarchie von 1893 als unrechtmäßig bezeichnet; Präsident Clinton unterzeichnete sie am 23. November 1993. Bis heute fordern Native Hawaiians mehr Rechte, Land und Selbstbestimmung. Die Bewegung ist dabei gespalten: Ein Teil strebt die Anerkennung als eigene Nation innerhalb der USA an, ein anderer die Wiederherstellung eines unabhängigen Hawaii.

… dass ein „Mainzer Adelsverein“ etwas mit Deutschen in Texas zu tun hat?
Die Vereinskirche in Fredericksburg, Texas
Der Eingang eines Lokals mit dem Schild Der Lindenbaum, Authentic German Cuisine
Ein deutsches Restaurant in Fredericksburg, Texas
Die Hauptstraße in Fredericksburg, Texas
Otfried Hans Freiherr von Meusebach
Meusebach trifft den Häuptling der Comanchen

„Mainzer Adelsverein“ war der Kurzname für den „Verein zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas“ (1842 bis 1848), durch dessen Vermittlung zwischen 1844 und 1847 mehr als 7.000 Deutsche nach Texas auswanderten. Gegründet wurde der Verein durch 21 Angehörige des Hochadels anlässlich einer Versammlung des „Rates deutscher Fürsten und adeliger Herren“ auf Schloss Biebrich in Biebrich am Rhein. Der Verein, der sowohl philanthropische als auch kommerzielle Ziele hatte, wurde am 18. Juni 1843 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und konstituierte sich am 25. März 1844 unter dem Vereinsnamen, mit zeitweiligem Sitz in Mainz.

Nach ersten Erkundungen in Texas durch zwei Vereinsmitglieder in den Jahren 1842 bis 1844 wurde im Mai 1844 Carl Prinz zu Solms-Braunfels vom Texasverein als erster Generalkommissar nach Texas geschickt. Die ersten Einwanderer trafen im Dezember 1844 in Texas ein und gingen in Carlshafen, später Indianola, an Land, dem von Solms-Braunfels für die Gesellschaft geschaffenen Hafen. Doch erst am 18. März 1845 gelang es Solms, nahe dem Guadalupe River ein Stück Land für die ersten Siedler zu kaufen; Neu-Braunfels (New Braunfels) wurde die neue Siedlung genannt. Allerdings bewies der junge Prinz keine glückliche Hand in Finanzdingen; sein Amtsnachfolger Otfried Hans Freiherr von Meusebach musste ihn schließlich aus seinen Verpflichtungen lösen. Als Texas im Jahr 1845 in die nordamerikanische Union aufgenommen wurde, war der Traum von einer deutschen Kolonie Neu-Deutschland endgültig geplatzt.

1846 gründete Meusebach den Ort Friedrichsburg (Fredericksburg), benannt nach Prinz Friedrich von Preußen, einem einflussreichen Mitglied des Vereins. Seine größte historische Leistung bestand darin, mit dem Indianerstamm der Comanchen einen Friedensvertrag auszuhandeln, der am 9. Mai 1847 in Fredericksburg unterzeichnet wurde: Die Deutschen kauften Felle und Lebensmittel von den Indianern, während diese im Gegenzug von Plünderungen der deutschen Siedlungen absahen. Einzigartig an diesem Vertrag ist, dass er von beiden Seiten niemals gebrochen wurde. In Fredericksburg wird der Stadtgründung bis heute an dem Samstag, der dem 8. Mai am nächsten liegt, mit dem Founders Day gedacht.

Der Mainzer Adelsverein war auf Dauer mit der organisatorischen Umsetzung seiner Ziele völlig überfordert, nicht zuletzt, da ihm bereits nach wenigen Jahren die finanziellen Mittel ausgingen. Am 23. Februar 1848 löste er sich formal auf, die Vermögens- und Schuldenverwaltung wurde am 6. Mai 1848 an die „Deutsche Colonisationsgesellschaft für Texas“ in Biebrich übergeben. In Texas führte die German Emigration Company die Geschäfte weiter. Obwohl das texanische Abenteuer für den Verein also schließlich in einem Fiasko endete, entstand rund um die Vereinsgründungen New Braunfels und Fredericksburg im Laufe der Jahre eine blühende Siedlungslandschaft, die für die ausgewanderten Deutschen doch noch zu einer neuen Heimat wurde. Meusebach selbst wurde 1851 in den Senat des Bundesstaates Texas gewählt, wo er die Countys Bexar, Comal und Medina vertrat.

Die Deutschen in diesem Gebiet trugen viel zur Entwicklung von Texas bei. Beide Orte waren bereits nach kurzer Zeit florierende Städte und Mittelpunkte des Deutschtums in den USA. Noch um die Wende zum 20. Jahrhundert waren etwa 100.000 Texaner deutschsprachig. Die meisten siedelten in Zentraltexas zwischen Austin und San Antonio. Bis heute gibt es den German Belt in Texas, in dem man Friedrichsburger Deutsch spricht, und bis heute ist das texanische Amerikanisch mit deutschen Einflüssen stark durchsetzt.

… dass die berühmte Route 66 „nur“ von Chicago nach Los Angeles führte?
Eine Fahne mit einer gezeichneten Karte der Strecke von Chicago nach Los Angeles
Ein Souvenir zur Route 66
Ein Ladengebäude mit Texaco-Schild und alten Route-66-Schildern, davor ein Pick-up
Ein Besucherzentrum an der Route 66
Das Straßenschild der Route 66
Eine gerade, leere Fahrbahn läuft auf ein fernes Gebirge zu
Die Straße in der Wüste

Diese Mother Road führte keineswegs von Küste zu Küste, und sie war auch nicht die erste große Ost-West-Straßenverbindung der USA; dies war der 1913 konzipierte Lincoln Highway, der am Times Square in New York begann und am Lincoln Park in San Francisco endete. Dennoch wurde die am 11. November 1926 als Teil des ersten amerikanischen Bundesstraßensystems eingerichtete Route 66, die am Lake Michigan in Chicago begann und nach 2.448 Meilen am Pazifik in Los Angeles endete, zum Symbol des Aufbruchs Amerikas in das automobile Reisezeitalter. Sie verband die Industrieregion um die Großen Seen mit den Ölfeldern Oklahomas und dem aufstrebenden südlichen Kalifornien.

Sie prägte wie kaum eine andere Verkehrsverbindung die USA, obwohl die durchgehende Befestigung erst 1938 abgeschlossen war. Entlang der Strecke breitete sich das Franchise als Geschäftsmodell aus, und in San Bernardino, einer Stadt an der Route 66, eröffneten die Brüder McDonald ihr erstes Schnellrestaurant. Städte, durch die die Straße führte, blühten auf und zerfielen wieder, als sie den Autobahnen weichen musste. Nach 1950 wurde sie nach und nach durch die vierspurigen Interstates ersetzt. Am 27. Juni 1985 verschwand die US 66 offiziell aus dem Bundesstraßennetz.

Sie lebt weiter in Filmen und in Musik, und mehrere Route-66-Gesellschaften bemühen sich darum, möglichst viel der Originalstrecke historisch getreu zu erhalten. Rund 85 Prozent davon sind bis heute befahrbar, wenn auch unter anderen Straßennummern. Für den hundertsten Jahrestag ihrer Einrichtung hat der Kongress eigens eine Route 66 Centennial Commission eingesetzt.

… dass ein deutscher Revolutionär Innenminister der USA wurde?
Carl Schurz als Student in Bonn
Carl Schurz in Amerika
Abraham Lincoln
Carl Schurz als Innenminister
Kaiser Wilhelm I.

Als 19jähriger Student der Geschichtswissenschaft demonstriert Carl Schurz im Revolutionsjahr 1848 in Bonn für Freiheit und nationale Einheit. Ein Jahr später kämpft er in der Pfalz und in Baden gegen die anrückenden preußischen Truppen zur Verteidigung der Paulskirchenverfassung; im Juli 1849 ist er in der belagerten Festung Rastatt eingeschlossen und kann durch einen Abwasserkanal entkommen. Er flieht in die Schweiz, kehrt heimlich nach Deutschland zurück und befreit in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1850 in einer spektakulären Aktion seinen Bonner Professor Gottfried Kinkel, der von den siegreichen Preußen zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, aus dem Zuchthaus Spandau; anschließend flieht er nach London. 1852 kehrt er, jetzt verheiratet, wie viele andere 48er enttäuscht dem reaktionären Europa den Rücken und wandert in die USA aus, lebt zunächst in Philadelphia und lässt sich 1855 in Watertown, Wisconsin, nieder.

Er schließt sich bald der jungen Republikanischen Partei an und wird unter dem Einfluss Lincolns, den er persönlich kennenlernt, zu einem Gegner der Sklaverei und schließlich zu einem der einflussreichen „black Republicans“. In vielen Vorträgen und Reden im ganzen Land sucht er vor allem die Zustimmung der deutschen Amerikaner für die Politik Lincolns. Nach dem Wahlsieg Lincolns 1860 wird er für kurze Zeit Gesandter der USA in Spanien und erreicht, dass Spanien nicht im ausbrechenden Bürgerkrieg auf Seiten der Südstaaten interveniert. Nach seiner Rückkehr in die USA fordert er sofort einen hohen militärischen Rang in der Unionsarmee und wird 1863 dank seiner guten Kontakte zum Weißen Haus trotz erheblicher Widerstände in der Armeeführung zum Generalmajor befördert.

Privat ist er zunächst mit Grundstücksgeschäften wenig erfolgreich; dies ändert sich erst, als ihm 1867 angeboten wird, bei der deutschsprachigen Westlichen Post in St. Louis Mitherausgeber zu werden. Während des Winters 1867/68 besucht Schurz Deutschland und wird in Berlin von Otto von Bismarck empfangen. Wie so mancher bürgerliche Freiheitskämpfer zeigt sich Schurz vom Erfolg der Bismarckschen Politik beeindruckt. Auch er selbst, 1868 zum Senator von Missouri gewählt und von 1869 bis 1875 im Amt, ändert seine politischen Ansichten; er löst sich von den Republikanern und versucht, eine neue, eine Liberal Republican Party zu gründen. Er scheitert, versteht sich jetzt als Unabhängiger, hält mal zu den Republikanern, mal zu den Demokraten. 1872 besucht er mit seiner Familie Deutschland; das neue Reich beeindruckt ihn, wenngleich ihn der dröhnende Nationalismus befremdet.

1876 unterstützt er die Kandidatur des Republikaners R. B. Hayes, nach dessen Sieg er zum Innenminister berufen wird. Er agiert jedoch wenig glücklich. Hayes verzichtet 1880 auf eine erneute Kandidatur, und mit dem Amtsantritt seines Nachfolgers endet im März 1881 auch die Amtszeit von Carl Schurz. Seiner alten Heimat bewahrt der Revolutionär von einst eine patriotische Gesinnung; bereits 1870/71 hat er im deutsch-französischen Krieg kritiklos für die alte Heimat Partei ergriffen und den deutschen Sieg mit schwarz-weiß-roter Beflaggung seines Zeitungshauses in St. Louis gefeiert. Als Wilhelm I. 1888 stirbt, jener Fürst also, der den jungen Freiheitsmann einst in Baden erschießen wollte, widmet Schurz ihm einen ausgiebigen Nekrolog, der die nationalen Taten des Kaisers preist. Als fast 70jähriger agitiert er heftig gegen alle imperialistischen Ambitionen und die Versuche der USA, sich ein eigenes Kolonialreich zu schaffen. Als die Regierung 1898 den Krieg gegen das koloniale Spanien vom Zaun bricht, wirft er ihr vor, diesen Feldzug „im Namen der Freiheit und Menschlichkeit“ zu führen, in Wahrheit aber zum „Zwecke der Selbstbereicherung“. Am 14. Mai 1906 stirbt er in New York. Präsident Theodore Roosevelt und Kaiser Wilhelm II. kondolieren, Mark Twain schreibt einen Nachruf.

… was die Mühlenberg-Legende ist?
Von Steuben, einer der berühmtesten Deutsch-Amerikaner
Eine Zusammenstellung von Zeitungsköpfen, darunter Aufbau und New Yorker Staats-Zeitung
Deutschsprachige Zeitungen in den USA
Die Titelseite der deutschen Bibel aus der Druckerei von Christoph Saur
Die Heilige Schrift, gedruckt 1743 in Germantown
Zeitungsköpfe wie Dakota Freie Presse und Indiana Volksblatt
Weitere deutschsprachige Zeitungen

Seit 200 Jahren hält sich hartnäckig eine Legende, die besagt, dass Deutsch um ein Haar die offizielle Landessprache der USA geworden wäre. Ein entsprechendes Gesetz soll nur an einer einzigen Stimme gescheitert sein. Der Mann, der die Wahl zugunsten von Englisch entschied, soll ausgerechnet deutscher Abstammung gewesen sein.

Tatsache ist jedoch, dass eine Abstimmung über die Amtssprache der USA niemals stattgefunden hat, auch nicht auf regionaler Ebene. Doch wie alle Legenden hat auch diese einen wahren Kern: 1794 reichte eine Gruppe deutscher Einwanderer aus dem Augusta County in Virginia beim Repräsentantenhaus eine Petition ein, in der sie die Veröffentlichung von Gesetzestexten in deutscher Übersetzung forderten. Dies sollte den Einwanderern, die noch kein Englisch gelernt hatten, helfen, sich schneller mit den Gesetzen in der neuen Heimat zurechtzufinden. Ein Ausschuss empfahl daraufhin, 3.000 Gesetzessammlungen auf Deutsch zu drucken. Als das Repräsentantenhaus die Empfehlung am 13. Januar 1795 beriet, scheiterte der Antrag, die Beratung zu vertagen und später fortzusetzen, mit 42 zu 41 Stimmen. Am 16. Februar 1795 beschloss das Haus, die Gesetze allein auf Englisch drucken zu lassen. Welche Rolle der deutschstämmige, zweisprachige Sprecher des Hauses, Frederick Augustus Conrad Muehlenberg, dabei spielte, lässt sich nicht klären, denn die namentliche Abstimmungsliste ist nicht überliefert. Überliefert ist nur der ihm zugeschriebene Satz, je schneller die Deutschen Amerikaner würden, desto besser sei es.

Dies führte bei den deutschen Siedlern zu einer gewissen Verbitterung, die den Nährboden für jene Legende bildete, die eine Generation später aufkam und als sogenannte Mühlenberg-Legende Berühmtheit erlangte: 1828, so ging das Gerücht, habe es in Pennsylvania eine Abstimmung darüber gegeben, ob Deutsch neben Englisch zweite Amtssprache werden sollte. Der entsprechende Antrag sei mit nur einer Stimme überstimmt worden. Die entscheidende Stimme, die Deutsch verhinderte, habe ausgerechnet der deutschstämmige Parlamentssprecher Mühlenberg abgegeben. In dieser Form geht die Legende auf Franz von Löher zurück, der die Abstimmung 1847 nach Pennsylvania verlegte.

So lautet die Legende. Zwar machten die Deutschen zu Beginn des 19. Jahrhunderts einen nicht unerheblichen Bevölkerungsteil im Staate Pennsylvania aus, doch war dieser nicht höher als ein Drittel. Auf die Gesamtbevölkerung der USA bezogen, lag der Anteil deutscher Einwanderer um 1830 gerade einmal bei neun Prozent. Dennoch gibt es eine Vielzahl deutscher Wörter, die Eingang in die amerikanische Sprache gefunden haben, wie „muesli“, „reinheitsgebot“ und „weltschmerz“, und es kommen auch immer noch neue hinzu wie etwa „fahrvergnügen“ oder „bremsstrahlung“.

… seit wann amerikanischen Präsidenten nur zwei Amtszeiten erlaubt sind?
Der erste Präsident George Washington
Franklin Delano Roosevelt, als einziger Präsident viermal gewählt
Harry S. Truman, vom 22. Zusatzartikel ausgenommen

Zwar ist es richtig, dass George Washington, der erste Präsident der USA, nur zwei Amtszeiten amtierte, eine dritte Wahl zum Präsidenten ablehnte und so eine Tradition der zwei Amtszeiten begründete. Es wurde aber in der Folgezeit niemals gesetzlich in irgendeiner Weise etwas über die Zahl der Amtszeiten eines amerikanischen Präsidenten festgelegt. So war es völlig legal, dass Franklin D. Roosevelt viermal zum Präsidenten gewählt werden konnte, 1932, 1936, 1940 und 1944. Dies hat nichts mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun in dem Sinne, dass hier eine Ausnahmeregelung gegolten habe. Im Übrigen waren die USA bei seiner dritten Wahl 1940 noch nicht im Krieg. Im Gegenteil, während des Wahlkampfes gegen den Republikaner Willkie hatte Roosevelt sogar sinngemäß versprochen, amerikanische Jungen würden in keinen fremden Krieg geschickt.

Bei den Kongresswahlen im November 1946, Harry S. Truman, Vizepräsident seit 1944, war nach dem Tod Franklin D. Roosevelts im April 1945 Präsident geworden, siegten die oppositionellen Republikaner erdrutschartig und gewannen zum ersten Mal seit 1930 wieder die Mehrheit in beiden Häusern. Unter dem für sie immer noch frustrierenden Eindruck, den die lange In-Besitznahme des Weißen Hauses durch den Demokraten Roosevelt auf sie gemacht hatte, beschloss dieser Kongress am 21. März 1947 den 22. Zusatzartikel zur Verfassung, nach dem künftige Präsidenten nur noch zwei Amtszeiten ausüben dürfen. Der amtierende Präsident Harry S. Truman war davon ausdrücklich ausgenommen. Am 27. Februar 1951 war die Ratifizierung durch die Bundesstaaten abgeschlossen.

… dass die erste dauerhafte englische Kolonie in Nordamerika, Jamestown, im Jahr 1607 errichtet wurde?
Blick von oben auf die von Palisaden umgebene Siedlung an einer Flusszunge, davor Segelschiffe
Jamestown auf einer Rekonstruktionszeichnung
Die Insel im James River mit dem Visitor Center und der Colonial Parkway
Karte von Jamestown Island und Umgebung

Zwischen 1585 und 1587 hatte Sir Walter Raleigh mit einem Patent der Königin Elizabeth I. verschiedene Versuche unternommen, auf Roanoke Island vor der Küste des heutigen North Carolina eine Kolonie zu gründen. Nicht zuletzt auch die bis 1588 andauernde Bedrohung Englands durch die spanische Armada ließ es nicht zu, diese erste Kolonie regelmäßig aus England zu unterstützen. Eine Erkundungsexpedition mit Nachschub fand die Kolonie 1590 verlassen vor. Das Schicksal dieser „verlorenen Kolonie“ und ihrer Bewohner konnte niemals geklärt werden. In England lernte man aus dieser Katastrophe zwei Dinge: Ein Mensch allein konnte nicht genügend Mittel zur Finanzierung solcher Vorhaben aufbringen, und es war absolut erforderlich, für die Kolonisten einen ausreichenden Nachschub aus England sicherzustellen.

1606 erteilte Jakob I. (engl. James I.) zwei Gruppen von Kaufleuten, der London Company und der Plymouth Company, eine Lizenz, Nordamerika zwischen dem 34. und 45. Breitengrad zu kolonisieren. Beide Gruppen hatten ausschließlich kommerzielle Interessen und wollten über die Errichtung von Handelsposten insbesondere Pelze und andere wertvolle Rohstoffe nach England importieren. Die ersten Versuche der Plymouth Company an der Küste des heutigen Maine scheiterten. Die London Company war hingegen nach einigen Misserfolgen weiter südlich erfolgreich: Am 26. April 1607 landeten die drei Schiffe Discovery, Godspeed und Susan Constant mit 104 Männern und Jungen an der südlichen Küste der Chesapeake Bay. Nachdem sie diesen Platz Cape Henry benannt hatten, setzten sie ihre Erkundung in eine breite Flussmündung hinein fort. Am 13. Mai 1607 bezogen sie den Platz, den sie zu Ehren ihres Königs Jamestown nannten, und den Fluss tauften sie James River. Einige hundert Siedler folgten diesen ersten Kolonisten in den folgenden zwei Jahren.

Die Kolonie war von Beginn an in großen Schwierigkeiten; Klima, interne Streitigkeiten und mangelnde landwirtschaftliche Aktivitäten drohten sie scheitern zu lassen. Hunger und Krankheiten kosteten im „Starving Time“ genannten Winter 1609/10 mehr als drei Viertel der Siedler das Leben; als im Mai 1610 Hilfe eintraf, lebten noch etwa 60 Menschen. Lediglich der kontinuierliche Nachschub aus England, aber auch die energische, disziplinierende Führung der Kolonie durch Captain John Smith und Sir Thomas Dale sicherten das Überleben. Einige Jahre später wurde festgestellt, dass die Tabakpflanze hier besonders gut gedieh, was sehr bald zu erheblichen Exporten führte. Die Stabilisierung der Kolonie wurde 1619 sichtbar, als die jetzt in Virginia Company umbenannte Heimatgesellschaft Schiffsladungen von Frauen in die Neue Welt schickte. Im gleichen Jahr trat auf Geheiß der Virginia Company eine Wahlversammlung zusammen, um eine Selbstverwaltung, eine eigene Regierung, zu wählen. Hierdurch sollten sich die englischen Nordamerika-Kolonien von allen anderen Kolonien der europäischen Mächte unterscheiden. Dennoch war die Kolonie auch weiterhin in Gefahr; 1622 wurde sie beinahe durch einen Angriff der Indianer ausgelöscht. 1624 schließlich war die Gefahr gebannt; die Company ging bankrott, und Virginia wurde Kolonie der Krone, wobei die Krone widerwillig das Vertretungsrecht der Siedler anerkannte.

Die berühmten Pilgrim Fathers erreichten dagegen erst im November 1620 Cape Cod und gingen im Dezember 1620 in Plymouth an Land.

… dass die Schlacht am Little Bighorn 1876 nicht der letzte Sieg indianischer Verbände war?
George Armstrong Custer
Ein Bildnis, das Crazy Horse zeigen soll, einen der Anführer am Little Bighorn
Ein Gewühl von Reitern und Soldaten auf einem Hügel, dazwischen Fahnen
Custers letztes Gefecht auf einem Gemälde
Das Schlachtfeld heute
Der Weg Custers, die Stellungen von Reno und Benteen und das indianische Lager am Fluss
Karte der Kämpfe am Little Bighorn

Am 25. Juni 1876, einem heißen Sommertag, besiegten Lakota, Dakota, Cheyenne und Arapaho am Little Bighorn in Montana ein Kavallerieregiment der US Army vernichtend. Die berittenen Verbände führten Crazy Horse und Gall. Auf Seiten des 7. Kavallerieregiments fielen 263 Mann, unter ihnen Lieutenant Colonel George Armstrong Custer, der das Regiment im Feld führte. Mehr als 40 Prozent des Regiments waren im Ausland geboren, die meisten in Irland oder in deutschen Staaten; unter den Gefallenen waren auch Deutsche, manche gerade erst eingewandert. Custer war im Bürgerkrieg wegen außergewöhnlicher Tapferkeit mit 23 Jahren zu einem der jüngsten Generale der US-Militärgeschichte befördert worden. In der Nachkriegsarmee führte er als Lieutenant Colonel das 7. Kavallerieregiment, durfte aber den Titel General weiterführen.

Die nomadisierenden Prärieindianer waren durch das Pferd, das ihnen bis etwa 1740 unbekannt gewesen war und das sie dann „sunka wakan“, den unbegreiflichen Hund, nannten, und durch die dadurch völlig veränderte Bisonjagd den Landwirtschaft treibenden indianischen Völkern überlegen geworden. Jetzt hatten diese Indianer ihren Status als unabhängige Völker per Dekret aus Washington verloren, die Zeit der Bisonjagd war vorbei, und zuvor zugesagtes Land sollten sie hergeben.

Die in Montana und Dakota nomadisierenden Stämme sollten in einer groß angelegten Aktion, der Centennial Campaign, durch drei Armeen in Reservationen verbracht werden. Custers 7. US-Kavallerie bildete mit ihren 600 Mann nur das Vorauskommando. Da er jedoch davon überzeugt war, dass kein Indianer seiner Truppe standhalten könnte, beschloss er, ein großes Lager sofort anzugreifen. Über dessen Größe sprach man seinerzeit von etwa 7.000 Menschen; der heutige Forschungsstand bestätigt diese Größenordnung, der National Park Service geht von rund 7.000 Menschen aus, darunter 1.500 bis 2.000 Kriegern. Custer teilte seine Truppe; Major Reno und er selbst sollten das Lager von verschiedenen Seiten angreifen. Nachdem zuerst Major Renos Truppe unter erheblichen Verlusten in die Flucht geschlagen worden war, wurde der davon nichts ahnende Custer mit seinen Soldaten im Rücken angegriffen und vollständig aufgerieben. Auch der berühmte Häuptling Sitting Bull hatte am Little Bighorn gelagert, aber in die Kämpfe wohl selbst nicht eingegriffen.

Die Nachricht von dieser Niederlage einer Einheit der US-Armee wirkte auf die Zeitgenossen ähnlich wie auf spätere Generationen der Überfall der Japaner auf Pearl Harbor oder die Anschläge vom 11. September 2001. Custer wurde später exhumiert und 1877 ehrenvoll in der Militärakademie West Point beigesetzt. Am 29. Dezember 1890 umstellten Soldaten des 7. Kavallerieregiments, Custers altem Regiment, in Wounded Knee die rund 350 Menschen zählende Gruppe des Lakota-Häuptlings Big Foot. Warum das Schießen begann, wurde nie geklärt. Getötet wurden mehr als 250, möglicherweise bis zu 300 Lakota, überwiegend Frauen und Kinder; 25 Soldaten fielen. Wounded Knee gilt als letztes Kapitel der Indianerkriege in den Plains. Der letzte Sieg indianischer Verbände war Little Bighorn allerdings nicht: Am 17. Juni 1877 schlugen die Nez Perce im White Bird Canyon eine Armeeabteilung und ließen 34 tote Soldaten zurück, ohne selbst einen Toten zu verlieren.

… wie Amerika zu seinem Namen kam?
Der Kartograf Martin Waldseemüller
Die Weltkarte Waldseemüllers von 1507
Die Globussegmentkarte Waldseemüllers
Amerigo Vespucci
Karte des Atlantiks mit den Routen von Spanien und Portugal nach Hispaniola und an die Küste Südamerikas
Die Reisen Amerigo Vespuccis

Den Namen des Doppelkontinents gäbe es ohne einen deutschen Kartografen nicht. 1507 bezeichnete Martin Waldseemüller, geboren um 1470 in Wolfenweiler bei Freiburg und gestorben am 16. März 1520 in Saint-Dié, die neue Welt in einem dreiteiligen Werk erstmals als „America“: auf einer großen Weltkarte, auf einer Globussegmentkarte und zusammen mit Matthias Ringmann in der Schrift „Cosmographiae introductio“. Waldseemüller hatte von den Entdeckungsreisen des italienischen Seefahrers Amerigo Vespucci erfahren, die diesen um 1500 entlang der Ostküste des heutigen Südamerika führten. In Anlehnung an die lateinisierte Namensform des Entdeckers nannte Waldseemüller diese Region ohne Wissen Vespuccis „Land des Americus“, kurz „America“. Die große Verbreitung der Karte trug dazu bei, dass der Name bald für den gesamten Doppelkontinent geläufig wurde. Waldseemüller selbst verzichtete in nachfolgenden Karten auf den Begriff und bezeichnete den Kontinent als „terra incognita“, nachdem er von den Reisen Christoph Kolumbus' gehört hatte, der einige Jahre vor Vespucci in Amerika gelandet war.

1901 wurde in Schloss Wolfegg in Baden-Württemberg ein Exemplar der ursprünglich etwa 1.000 gedruckten Weltkarten wieder aufgefunden. Es ist das einzige erhaltene. 2001 vereinbarten das Haus Waldburg-Wolfegg und die Library of Congress in Washington den Verkauf, 2003 wurde er für 10 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Übergeben wurde die Karte am 30. April 2007 von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Von der Globussegmentkarte sind fünf Exemplare bekannt, das jüngste wurde 2012 in der Universitätsbibliothek München entdeckt.

… dass Wyatt Earp in Tombstone weder Sheriff noch Town Marshal war?
Wyatt Earp
Doc Holliday
Tombstone, Arizona

Die Wahrheit ist, dass Wyatt Earp sich mehrfach in verschiedenen Städten des Westens vergeblich um den Posten des Sheriffs bewarb, zuletzt im Februar 1881 im neu gebildeten Cochise County, wo Johnny Behan den Zuschlag erhielt. Ganz ohne Amt war er allerdings nicht: 1880 diente er als Deputy Sheriff des Pima County für den Bezirk Tombstone, und nach dem Attentat auf seinen Bruder Virgil Ende 1881 wurde er Deputy U. S. Marshal. Daneben betrieb er Saloongeschäfte. 1928 erzählte er kurz vor seinem Tod einem Schriftsteller aus seinem Leben. Dieser machte ihn postum zur Wild-West-Legende.

Den Kern der Legende bildet eine wahre Begebenheit. Am 26. Oktober 1881 kam es in einem schmalen Grundstück an der Fremont Street neben Flys Pension, unweit des hinteren Ausgangs des Pferdestalls OK-Corral, zu einer Schießerei. Auf der einen Seite standen Town Marshal Virgil Earp, seine Brüder Wyatt und Morgan sowie der schwindsüchtige Revolverheld Doc Holliday, den Virgil Earp gemeinsam mit seinen Brüdern für diesen Einsatz vereidigt hatte, auf der anderen fünf Cowboys. Am Ende lagen Billy Clanton sowie Frank und Tom McLaury tot am Boden. Rund 30 Schüsse fielen, das Ganze dauerte kaum mehr als eine halbe Minute. In mehr als 200 Kino- und Fernsehproduktionen spielte die Szene eine Rolle, als Mittelpunkt oder nur am Rande.

Heute leben in Tombstone gut 1.000 Einwohner, viele von ihnen vom Tourismus. Die Schießerei wird dreimal täglich nachgestellt, und Besucher schlendern durch „The Town Too Tough to Die“, wie es in der Werbung heißt.

… dass die erste Durchquerung Nordamerikas durch US-Amerikaner 1806 abgeschlossen wurde?
Meriwether Lewis und William Clark
Lewis und Clark auf dem Columbia-Unterlauf
Thomas Jefferson

Am 23. September 1806 kehrte eine Expedition unter Führung von Meriwether Lewis und William Clark nach St. Louis zurück, von wo sie gut zweieinhalb Jahre zuvor aufgebrochen war. Bis zum Louisiana Purchase des Jahres 1803 unter Präsident Thomas Jefferson bildete der Mississippi die Westgrenze der jungen USA. Für 15 Millionen US-Dollar erwarben die Vereinigten Staaten von Frankreich rund 828.000 Quadratmeilen westlich des Mississippi einschließlich des strategisch wichtigen New Orleans. Die Grenzen des Gebiets blieben im Vertrag offen; im Westen reichte es bis zum Kamm der Rocky Mountains, die Nordgrenze wurde erst 1818 auf den 49. Breitengrad festgelegt. Der Kauf verdoppelte das Staatsgebiet und verstärkte das Interesse der Regierung am Westen, wobei zunächst die Hoffnung im Vordergrund stand, einen Wasserweg bis zum Pazifik zu finden.

Auf Initiative Jeffersons brach am 14. Mai 1804 eine Erkundungsexpedition unter Führung seines früheren Privatsekretärs Meriwether Lewis und des Lieutenants William Clark vom Winterlager Camp Dubois gegenüber der Missourimündung bei St. Louis auf; die förmliche Verabschiedung erfolgte am 21. Mai in St. Charles. Sie folgte zunächst dem Missouri bis zu seiner Quelle und stellte fest, dass die Rocky Mountains weit größer als angenommen waren und ein durchgehender Wasserweg zum Pazifik eine Illusion blieb. Nach der Überquerung der Rockies folgte die Expedition dem Snake und dem Columbia. Am 7. November 1805 notierte Clark „Ocian in view“, tatsächlich blickte er noch auf den Mündungstrichter des Columbia; die Pazifikküste erreichte die Gruppe rund zwei Wochen später. Den Winter verbrachte sie ab dem 10. Dezember 1805 in Fort Clatsop.

Diese Expedition brachte den USA eine Fülle an neuen Informationen und Kenntnissen über Landschaft, Flora und Fauna sowie über die Indianer des Westens und erregte nicht zuletzt auch deswegen großes Aufsehen. Die Lewis-Clark-Expedition und ihre Ergebnisse trugen ganz wesentlich dazu bei, dass die Amerikaner die Eroberung und Besiedlung des Westens in den nachfolgenden Jahrzehnten vorantrieben. Westward Ho! Den Kontinent nördlich von Mexiko durchquert hatte vor ihnen bereits der Schotte Alexander Mackenzie im Jahr 1793.

… dass der Konstrukteur der weltberühmten Brooklyn Bridge 1806 in Mühlhausen in Thüringen geboren wurde?
Die Brücke bei Cincinnati
Blick von Covington aus über den Ohio auf die Hängebrücke und die Stadt
Die Brücke bei Cincinnati auf einer alten Postkarte
Die Brooklyn Bridge
Die Brooklyn Bridge auf einer alten Aufnahme

Johann August Röbling wurde am 12. Juni 1806 in Mühlhausen geboren, das damals zu Preußen gehörte. Er studierte an der Berliner Bauakademie und schloss 1826 im Alter von 20 Jahren als Bauingenieur ab. Während des Studiums lernte er die neue technische Mode der Hänge- und Kettenbrücken kennen. Anschließend arbeitete er drei Jahre im preußischen Staatsdienst. 1831 wanderte er zusammen mit seinem Bruder Karl in die USA aus. 1837 erhielt er, nun Roebling geschrieben, in Harrisburg die amerikanische Staatsbürgerschaft; im selben Jahr wurde sein Sohn Washington geboren. Ab 1841 entwickelte er das gedrehte Drahtseil und ließ es 1843 patentieren. Die Fertigung begann in Saxonburg in Pennsylvania; 1849 verlegte er sie nach Trenton, New Jersey. Unter seinen Söhnen wurde daraus eine der größten Drahtseilfabriken der Welt.

Sein erster Aufsehen erregender Auftrag als Brückenkonstrukteur war 1844/45 der Ersatz des hölzernen Kanalübergangs, mit dem der Pennsylvania Canal bei Pittsburgh den Allegheny River quert, durch eine Hängekonstruktion. Von 1851 bis 1855 folgte eine Eisenbahnbrücke über die Niagaraschlucht, einige Kilometer unterhalb der Wasserfälle.

Ab September 1856 baute Roebling die Brücke über den Ohio River zwischen Cincinnati und Covington. Finanzierungsprobleme und der Bürgerkrieg verzögerten die Arbeiten; 1858 ruhten sie ganz, ab 1863 wurde weitergebaut. Am 1. Dezember 1866 wurde die Brücke für Fußgänger freigegeben, am 1. Januar 1867 für den übrigen Verkehr. Mit 322 Metern besaß sie damals die größte Spannweite der Welt und wurde von der amerikanischen Presse entsprechend gefeiert. Sie gilt heute gern als kleine Schwester des nachfolgenden Projektes, der Brooklyn Bridge; in der Tat sind die Ähnlichkeiten frappierend.

Für diese Brücke über den East River, die New York mit der damals noch selbstständigen Stadt Brooklyn verbinden sollte, musste Roebling zunächst viele Skeptiker überzeugen. Eine Hängebrücke dieses Formats werde einfach zusammenstürzen, sie werde dem Wind nicht standhalten, sie sei zu teuer und zu lang, und niemand werde einen halben Kilometer Brücke ablaufen. Die Hauptöffnung misst 486 Meter. 1869 wurden Roeblings Pläne genehmigt und die Vermessungsarbeiten aufgenommen. Am 28. Juni 1869 wurde er dabei an einer Anlegestelle am East River von einem einlaufenden Boot am Fuß eingeklemmt. Man amputierte ihm die Zehen, doch er erkrankte an Wundstarrkrampf und starb am 22. Juli 1869.

Sein Sohn Washington übernahm die Bauleitung. Nachdem dieser bei der Arbeit in den Senkkästen an der Taucherkrankheit erkrankt und weitgehend ans Haus gebunden war, übernahm dessen Frau Emily Warren Roebling einen großen Teil der Leitung vor Ort. Sie eignete sich die nötigen technischen Kenntnisse an, gab die Anweisungen ihres Mannes an die Bauleute weiter, führte den Schriftverkehr und vertrat die Familie nach außen. 1883 wurde die Brooklyn Bridge eröffnet.

… dass Benjamin Franklin 1785 für die jungen USA einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit Preußen abgeschlossen hat?
Benjamin Franklin
John Adams
Thomas Jefferson
Friedrich der Große

Benjamin Franklin war einer von drei amerikanischen Bevollmächtigten für den ersten Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen den USA und einem deutschen Staat. Unterzeichnet wurde er nicht in einem gemeinsamen Akt, sondern nacheinander an verschiedenen Orten: Franklin am 9. Juli 1785 in Passy bei Paris, Thomas Jefferson am 28. Juli 1785 in Paris und John Adams am 5. August 1785 in London. Für Preußen setzte der Gesandte Freiherr Friedrich Wilhelm von Thulemeier am 10. September 1785 in Den Haag seine Unterschrift darunter, Friedrich der Große ratifizierte am 24. September 1785. Franklin unterschrieb also kurz vor seiner Abreise aus Frankreich; als Preußen unterzeichnete, war er bereits auf dem Weg nach Amerika.

Franklin, geboren am 17. Januar 1706, hatte zeit seines Lebens eine besondere Beziehung zu den Deutschen. 1732 gab er in Philadelphia mit der „Philadelphischen Zeitung“ die erste deutschsprachige Zeitung Nordamerikas heraus. Besorgt äußerte er sich allerdings über das starke Wachstum der deutschstämmigen Bevölkerung Pennsylvanias. In seiner Schrift „Observations Concerning the Increase of Mankind“ von 1751 schrieb er, die Eingewanderten würden bald so zahlreich sein, „as to Germanize us instead of our Anglifying them, and will never adopt our Language or Customs, any more than they can acquire our Complexion“. Hier irrte sich Benjamin Franklin.

… dass New York City im 19. Jahrhundert nach Berlin und Wien die drittgrößte deutschsprachige Stadt der Welt war?
Die Fassade mit dem Schriftzug Atlantic Garden, davor zwei Männer
Das Bierlokal „Atlantic Garden“ an der Bowery in New York

New York war im 19. Jahrhundert ein Hauptziel der deutschen Auswanderung, besonders nach der Revolution von 1848. Die Einwanderer siedelten sich vor allem östlich der Bowery auf der Lower East Side an, im Gebiet des heutigen East Village, das im Norden bis zur 14th Street reichte. Das Viertel wurde als Kleindeutschland oder Little Germany bekannt und war für einige Zeit die größte deutschsprachige Gemeinde außerhalb von Berlin und Wien. In den 1870er Jahren lebten dort über 60.000 Deutsche, mit eigenen Kirchen, Vereinen, Theatern, Buchhandlungen, Turnhallen und Bierlokalen.

Schon vor der Jahrhundertwende zogen viele deutsche Familien weiter nach Norden, bevorzugt nach Yorkville, das sich zwischen der 79th und der 96th Street vom East River bis zur 3rd Avenue erstreckt. Die Hochbahnen der 2nd und 3rd Avenue verbesserten die Verkehrsanbindung und erhöhten die Attraktivität des Viertels für die neu ankommenden deutschen Auswanderer. 1898 verlegte auch der New York Turn Verein seinen Sitz dorthin.

Das Ende von Kleindeutschland kam am 15. Juni 1904. Die St.-Markus-Gemeinde in der East 6th Street hatte für ihren Gemeindeausflug den Raddampfer General Slocum gechartert. Auf der Fahrt den East River hinauf brach an Bord Feuer aus; mehr als tausend Menschen kamen ums Leben, überwiegend Frauen und Kinder aus dem Viertel. Der Wegzug war zwar schon lange vorher im Gange, doch nach dem Unglück beschleunigte er sich so stark, dass bei der Volkszählung 1910 nur noch wenige deutsche Familien in Kleindeutschland lebten.

Der Erste Weltkrieg veränderte dann alles für die Deutschen in New York; viele änderten ihre Namen, um zu unterstreichen, dass sie besonders gute Amerikaner seien. Auch in den 20er und 30er Jahren blieb Yorkville ein deutsches Viertel, jedoch spielten dort in den 30er Jahren Hitler-Anhänger eine zunehmend dominierende Rolle, so dass viele der jetzt aus Nazi-Deutschland auswandernden Menschen und insbesondere die deutschen Juden Yorkville nicht mehr als erste Anlaufstelle sahen. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb von dem deutschen Yorkville bis auf vereinzelte Restaurants kaum noch etwas übrig.

… wie die Geschichte von der ersten Flagge der Vereinigten Staaten entstanden ist?
George Washington, George Ross und Robert Morris sitzen im Zimmer, Betsy Ross hält die Flagge auf
Betsy Ross zeigt dem Ausschuss die Flagge, auf einem Gemälde
Betsy Ross zeigt mit ihren Kindern die Flagge
Betsy Ross führt den fünfzackigen Stern vor
Betsy Ross näht die Flagge mit Freundinnen

Elizabeth „Betsy“ Griscom wurde am 1. Januar 1752 in Philadelphia geboren. Nach der Schulzeit ging sie bei einem Polsterer in die Lehre. 1773 heiratete sie John Ross und war bereits verwitwet, als sie der Überlieferung nach im Frühjahr 1776 jenes Treffen mit einem Ausschuss des Kontinentalkongresses gehabt haben soll, aus dem die erste amerikanische Flagge hervorgegangen sei: mit George Washington, dem Befehlshaber der Kontinentalarmee, mit George Ross, dem Onkel ihres verstorbenen Ehemannes, und mit Robert Morris. Washington habe ihr einen groben Entwurf mit sechszackigen Sternen gezeigt, worauf sie vorgeführt habe, wie sich mit einem einzigen Scherenschnitt ein fünfzackiger Stern herstellen lässt.

Belegt ist diese Geschichte nicht. Bekannt wurde sie erst 1870, als Betsy Ross' Enkel William Canby sie der Historical Society of Pennsylvania vortrug und weitere Familienmitglieder sie eidesstattlich bestätigten. Schriftliche Zeugnisse aus der Zeit selbst gibt es nicht, und die Geschichtswissenschaft betrachtet die Erzählung heute als Familienüberlieferung. Gesichert ist dagegen, dass Betsy Ross als Polsterin und Näherin arbeitete und über Jahrzehnte Flaggen herstellte; am 29. Mai 1777 erhielt sie dafür eine Zahlung des Marineausschusses von Pennsylvania.

Am 8. Juli 1776 kann die Sternenflagge noch nicht geweht haben. An diesem Tag verlas John Nixon die Unabhängigkeitserklärung erstmals öffentlich, und zwar im Hof des State House. Das Sternenbanner beschloss der Kontinentalkongress erst am 14. Juni 1777: Die Flagge solle dreizehn abwechselnd rote und weiße Streifen tragen sowie dreizehn weiße Sterne in blauem Feld, die ein neues Sternbild bilden. Wie die Sterne anzuordnen seien, legte der Beschluss nicht fest. Es waren mehrere Muster in Gebrauch; die kreisförmige Anordnung, bei der keine Kolonie über eine andere erhoben erscheint, gehört zur Betsy-Ross-Überlieferung.

Die häufig zitierte Deutung der Farben bezieht sich nicht auf die Flagge, sondern auf das Große Siegel der Vereinigten Staaten. Charles Thomson, der Sekretär des Kontinentalkongresses, schrieb in seiner am 20. Juni 1782 angenommenen Erläuterung, die Farben des Wappenschildes seien jene der Flagge; Weiß stehe für Reinheit und Unschuld, Rot für Standhaftigkeit und Tapferkeit und Blau für Wachsamkeit, Beharrlichkeit und Gerechtigkeit. Eine amtliche Deutung der Flaggenfarben selbst gibt es bis heute nicht. Auch die George Washington zugeschriebene Erklärung, die Sterne seien vom Himmel genommen, das Rot von den britischen Farben und die weißen Streifen stünden für die Abtrennung vom Mutterland, ist zeitgenössisch nicht belegt.

Die dreizehn Sterne stehen für die dreizehn Gründerstaaten: Delaware, Pennsylvania, New Jersey, Georgia, Connecticut, Massachusetts, Maryland, South Carolina, New Hampshire, Virginia, New York, North Carolina und Rhode Island.

Betsy Ross heiratete nach dem Tod von John Ross noch zweimal, 1777 Joseph Ashburn und nach dessen Tod John Claypoole. Sie führte ihre Werkstatt bis ins Alter von 76 Jahren weiter und starb am 30. Januar 1836 im Alter von 84 Jahren.

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Diese Sammlung ist nie fertig. Wenn Sie eine Begebenheit zwischen Deutschland und Amerika kennen, die hier noch nicht steht, schreiben Sie uns an info@dag-muenster.de. Wir gehen dem Hinweis nach und nehmen ihn auf, wenn er sich halten lässt.

Die Fragen stammen aus dem Bestand der DAG. Für diese Fassung wurde jede Antwort noch einmal an heutigen Quellen nachgeprüft. Wenn Sie uns etwas vorschlagen, nennen Sie gern dazu, woher Sie es haben.

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